1. Politik
  2. Deutschland

Frankfurt wählt neuen Oberbürgermeister: Wer folgt auf Petra Roth?

Frankfurt wählt neuen Oberbürgermeister : Wer folgt auf Petra Roth?

Die 67 Jahre alte bremische Kaufmannstochter machte große politische Karriere, von der Arzthelferin bis an die Spitze einer Metropole. Am Sonntag oder, wahrscheinlicher, erst bei der Stichwahl am 25. März wird der Nachfolger gewählt: Boris Rhein (CDU) oder Peter Feldmann (SPD).

Hessens Innenminister Boris Rhein will am Sonntag zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt werden. Das sagt viel über den Stellenwert der wuchtigen Metropole mit internationalem Flughafen, internationalem Publikum, riesigen Banken aus aller Herren Länder, großer Kultur und politischer Geschichte.

 Die Kaufmannstochter Petra Roth blickt auf eine beeindruckende politische Karriere zurück.
Die Kaufmannstochter Petra Roth blickt auf eine beeindruckende politische Karriere zurück. Foto: dpa, Arne Dedert

Vom Innenminister in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden zum Stadtoberhaupt von Frankfurt — das gilt als ein Aufstieg. Zum Vergleich: Wenn sich der Innenminister von NRW, der Duisburger Ralf Jäger, um den frei gewordenen OB-Posten der Groß- und Hafenstadt Duisburg bewerben würde, hieße es: "Warum macht Herr Jäger das bloß?"

 Peter Feldmann (SPD) macht sich Hoffnung auf einen Sieg in Frankfurt.
Peter Feldmann (SPD) macht sich Hoffnung auf einen Sieg in Frankfurt. Foto: dpa, Emily Wabitsch

Frankfurter unter 20 Jahren kennen bewusst nur die Oberbürgermeisterin Roth (CDU). Die bremische Kaufmannstochter steht seit 1995 an der Spitze der ehemals Freien Reichsstadt, in der Goethe geboren wurde und wo einst im "Römer" Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt, teilweise auch gekrönt wurden.

Rhein hat die Nase vorn

Die attraktive 67-Jährige mit der verwirrend tiefen Stimmlage hätte am liebsten 2013 noch einmal kandidiert ("Und ich hätte auch gewonnen", sagte Roth laut "FAZ"), aber die hessische Kommunalverfassung setzt eine Altersgrenze. Und so überraschte die OB im vergangenen Herbst mit der Ankündigung, ihren Stuhl bereits zum 1. Juli dieses Jahres frei zu machen.

Die überrumpelte SPD hatte zunächst keinen unumstrittenen Kandidaten für die Wahl am 11. März. Petra Roth jedoch präsentierte jemanden, der im Land und auch in Frankfurt gut bekannt war: den 40 Jahre alten Innenminister Boris Rhein. Rhein hat mit Blick auf den kommenden Wahlsonntag demoskopisch die Nase vorn, aber längst nicht weit genug. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich der Noch-Innenminister am 25. März in einer Stichwahl mit dem SPD-Bewerber um die Roth-Nachfolge, Peter Feldmann, messen müssen.

Knapper Wohnraum als Wahlkampf-Thema

Feldmann (53), ein zum linken Flügel der Partei gehörender Sozialpolitiker, wurde mit zunehmender Dauer des Wahlkampfes stärker. Er thematisiert wie niemand sonst den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der reichen Stadt. Bei der letzten Umfrage war Feldmann der einzige OB-Kandidat, der gegenüber einer vorausgegangenen Umfrage zulegen konnte: Rhein und die Grünen-Bewerberin Rosemarie Heilig verloren an Zustimmung. Noch führt Rhein mit 30 Prozent, gefolgt von Feldmann (22,3) und Heilig (10,9). Die Kandidaten von Piraten- und Linkspartei liegen im Zwei- bzw. Drei-Prozent-Bereich. Als noch unentschieden erklärten sich 18,3 Prozent der 464 000 Wahlberechtigten.

  • OB: "Städte müssen mit einer Stimme sprechen"
  • Verteidigungsministerin Lambrecht mit ihrem ukrainischen Amtskollegen
    Deutsche Verteidigungsministerin in der Ukraine : Lambrecht besucht in Odessa Gepard-Stellung
  • Gesundheitsminister zur Pandemie : „Das sehe ich jetzt auch so“ – Karl Lauterbach übt Selbstkritik

Entscheidend wird sein, auf wessen Seite sich zwischen Sonntag und der Stichwahl zwei Wochen später die Wähler aus dem Lager der Grünen schlagen werden. CDU und Spitzenkandidat Rhein befürchten, dass man sich am 25. März einer rot-grünen Phalanx gegenüber sehen könnte.

Petra Roth wurde unterschätzt

Das wiederum hängt mit dem CDU-Kandidaten zusammen, denn Boris Rhein hat nicht erst seit seiner Zeit als hessischer Innenminister den Ruf eines konservativen Christdemokraten mit Faible für Recht und Ordnung. In der multikulturellen Metropole am Main, die in den Regierungsjahren von Petra Roth ihren früheren Makel als Hochburg der Kriminalität belegbar verloren hat, versteht man sich mehr denn je als weltoffen-liberal. Jemand wie Rhein passt da weniger als Petra Roth, die seit Jahren mit ihrer präsidialen Attitüde und geschickten Politik für eine Großstadt-Liberalität steht, die manche in der konservativen Hessen-CDU lange für anpassungsfähige Konturenlosigkeit hielten.

Anfangs wurde Petra Roth ähnlich wie Angela Merkel unterschätzt. Eine gut aussehende Arzthelferin als OB in der Stadt der Banken und Bosse? Wie im Falle Merkel war es auch bei der aufstrebenden CDU-Politikerin Roth die Parteilegende Helmut Kohl, die die Witwe (seit 1994) und Mutter von zwei Söhnen förderte und 1995 zur Kandidatur drängte: "Mädchen, du g'fällst mer", soll der Pfälzer gesagt haben. Roth nutzte ihre Chance: Sie repräsentierte ihre Stadt blendend, traf fast immer den richtigen Ton, ob beim Sekt in der Alten Oper oder beim Äppelwoi in Sachsenhausen.

Sie setzte eine liberale Drogenpolitik durch, schmiedete ein Aufsehen erregendes Stadtrats-Bündnis mit den Grünen, das seit 2006 hält. Und sie stand der Wirtschaftsentwicklung nicht im Weg. Roth machte als Städtetags-Präsidentin auf sich aufmerksam und gewann in 17 Amtsjahren ein solches Ansehen, dass sie als mögliche Bundespräsidentin genannt wurde. Wer ihr folgt, geht in großen Schuhen.

(RP/jre/csi)