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Unterwegs mit Rüttgers in den USA: Wenigstens die Bügel sind sicher

Unterwegs mit Rüttgers in den USA : Wenigstens die Bügel sind sicher

Washington (RPO). Wenn die Kamera einmal nach rechts schwenken würde, könnte man das große Plakat sehen. "We're turning around America", steht auf dem riesenhaften Banner, das die Fassade des Hauses des amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL-CIO fast komplett verdeckt: "Wir retten Amerika."

Erst einmal sieht es aber so aus, als wolle Amerika sich von anderen retten lassen. Amerika, das heißt in diesem Fall: General Motors, die beinahe insolvente Muttergesellschaft von Opel. Und die anderen, das könnten auch gut die deutschen Bundesländer sein, in denen Opel Fabriken hat und die deshalb für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze milliardenschwere Bürgschaftserklärungen abgeben könnten. Die anderen, das wäre in diesem Fall auch Jürgen Rüttgers.

Die Stimmung ist schlecht an diesem klaren, sonnigen, kalten Morgen in Washington. In der Nacht wurde gemeldet, GM wolle das Werk in Bochum schließen. Das wäre die schlimmste aller Möglichkeiten, für Rüttgers und für das Land. Vor der Kamera, die eben nicht nach rechts schwenkt, sondern auf den Ministerpräsidenten gerichtet ist, sagt Rüttgers, man werde eine Schließung nicht einfach so hinnehmen in NRW. Das klingt trotzig, und viel mehr kann er in diesem Moment auch nicht sagen. Denn noch ist nichts klar. Erst am Abend legt GM seinen Umstrukturierungsplan vor, anhand dessen US-Finanzminister Timothy Geithner dann über weitere Staatshilfen entscheidet.

Obwohl bald das Schließungsgerücht dementiert wird, kann sich die Delegation vor Anrufen nicht retten. Nachrichtenagenturen, Fernsehsender, alle wollen sie jetzt ein Statement von Rüttgers, der als einziger deutscher Politiker vor Ort ist. Er scheint der einzige zu sein, der etwas ausrichten kann. Dabei ist er an diesem Morgen selbst einer, der von den Nachrichten gejagt wird.

Und vom eng gesteckten Terminplan. Dieser Dienstag ist randvoll mit Gesprächen, während Opel ums Überleben kämpft. Rüttgers trifft sich morgens mit Politikern und Managern, nachmittags besucht er ein Museum, abends den Empfang des deutschen Botschafters, bei dem sich das Ruhrgebiet als europäische Kulturhauptstadt in Amerika präsentieren will.

Mittags, im "Private Dining Room" des Internationalen Währungsfonds, steht ein Arbeitsessen mit den Direktoren an. Die Stimmung ist kühl, und sie wird im Verlauf der Begegnung immer frostiger — was nicht allein daran liegt, dass sich die Klimaanlage nicht regulieren lässt: Die Antworten der Währungsmanager scheinen Rüttgers nicht zu genügen, zu technokratisch und unbestimmt kommen sie daher. Die Bügel im Private Dining Room sind diebstahlgesichert. Vielleicht auch ein Zeichen von Krise.

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Die Diskussion mit Politikwissenschaftlern in der Johns Hopkins University am späten Nachmittag ist dann deutlich kurzweiliger. Offensichtlich habe Barack Obama die Präsidentschaftswahlen ja ausschließlich über das Internet gewonnen, frotzelt Rüttgers. Wenn das so einfach sei, wolle er wissen, wie das gehe. Ein typischer Rüttgers-Witz, kurz und knochentrocken vorgetragen. Es folgt eine einstündige Debatte darüber, ob sich das System des Internetwahlkampfs nach Deutschland übertragen lässt. Für Rüttgers ist das Fazit eindeutig: nein.

Eine Erkenntnis immerhin ist nicht von der Hand zu weisen — für den Wahlkampf im Internet ebenso wenig wie für die Opel-Krise. Gastgeber Jackson Janes verpackt sie in sein Schlusswort: "Die Geschwindigkeit steigt." Rüttgers grinst und fügt nur ein Wort hinzu: "Furchtbar."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rüttgers in Detroit