Medienbericht Wegen Lieferengpässen – Weltärztebund fordert europäische Medikamentenreserve

Berlin · Die Politik müsse dafür sorgen, Produktionsstandorte zurück nach Europa zu holen. Lieferketten könnten zudem mit mehreren Quellen für Medikamente gesetzlich abgesichert werden.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, hält 2019 eine Rede zu Beginn des 122. Deutschen Ärztetages zu den Teilnehmern. (Archiv)

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, hält 2019 eine Rede zu Beginn des 122. Deutschen Ärztetages zu den Teilnehmern. (Archiv)

Foto: dpa/Guido Kirchner

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert angesichts des Medikamentenmangels eine EU-weite Arzneimittelreserve. Eine solche Verpflichtung für die Pharmaindustrie könne von Staat und Ärzteschaft „überwacht und gemanagt“ werden, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Kinderärzte aus verschiedenen europäischen Ländern hatten am Wochenende in einem Offenen Brief ihre Gesundheitsminister zum Handeln aufgefordert. Sie sehen durch die Engpässe die Versorgung von Kindern und Jugendlichen gefährdet.

Grund für die seit Jahren zunehmenden Engpässe in der Medikamentenversorgung seien „falsch gesetzte wirtschaftliche Anreize bei der Pharmaindustrie“, kritisierte Montgomery. Hier stehe Ökonomie vor Menschlichkeit. Der Mediziner forderte zudem, die Politik müsse dafür sorgen, Produktionsstandorte zurück nach Europa zu holen. Lieferketten könnten zudem mit mehreren Quellen für Medikamente gesetzlich abgesichert werden.

Die zunehmenden Lieferengpässe stellten ein „eklatantes Politikversagen“ dar, sagte der Ärztefunktionär. „Dass heute darunter vor allem Kinder und Krebskranke zu leiden haben, ist erbärmlich und es zeigt deutlich, wohin eine übertriebene Kommerzialisierung der Medizin führt.“

(aku/epd)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort