Piraten-Politikerin und die Gesundheit: Weisband leidet an Tschernobyl-Folgen

Piraten-Politikerin und die Gesundheit : Weisband leidet an Tschernobyl-Folgen

Bis sich Marina Weisband im Frühjahr 2012 wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Politikbetrieb verabschiedete, galt sie als Hoffnungsträgerin und Gesicht der Piratenpartei.

Daran hat sich auch gut ein Jahr später nicht viel verändert: Die Piraten wären froh, sie könnten die ehemalige Geschäftsführerin für Talkshows und Wahlkampf einplanen.

Doch eine Rückkehr ins Tagesgeschäft scheint für die 25-Jährige nicht infrage zu kommen. In einem heute erscheinenden Interview mit dem "Zeit-Magazin" äußert sie sich erstmals zu ihrer Erkrankung.

Weisband bezeichnet sich darin als "Tschernobyl-Kind": "Das haben die Ärzte damals meinen Eltern gesagt, als sie verzweifelt zu ihnen kamen", sagte Weisband dem Magazin: "Was wollen Sie — sie ist ein Tschernobyl-Kind."

Ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe wurde Weisband 1987 in Kiew geboren — 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt. "Es begann etwa in meinem zweiten Lebensjahr als Immunschwäche und setzte sich in einer Reihe von Folgekrankheiten fort", schreibt Weisband in ihrem kommende Woche erscheinenden Buch "Wir nennen es Politik. Ideen für eine zeitgemäße Demokratie".

Nach der Katastrophe hatten Weisbands Eltern immer wieder erfolglos Ärzte in Kiew aufgesucht "Schließlich haben sie meiner Mutter gesagt: Wenn Ihre Tochter hierbleibt, wird sie sterben", erzählt Weisband. Der anschließende Umzug der Familie nach Deutschland habe ihr das Leben gerettet.

Im Interview nimmt Weisband auch zur derzeit schwierigen Situation der Piraten Stellung. Sie äußert Kritik am aktuellen Auftritt der Partei: "Ich habe mich zwischendurch gefragt, ob es richtig war, dass wir uns als Partei gegründet haben." Die Partei diskutiere zu viel über Personalfragen.

Ob der Einzug in den Bundestag im Herbst gelinge, sei egal: "Es geht bei den Piraten nicht um Ämter und Posten, es geht doch um eine Idee von einer anderen Gesellschaft."

(RP/csi)
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