Zeitzeuge Joseph Goebbels : Warten auf den starken Mann

Joseph Goebbels (1897–1945), geboren in Rheydt, heute Mönchengladbach, ist Anfang der 20er Jahre frustriert. Seine Bewerbungen als Journalist oder Lehrer werden abgelehnt, zugleich ist er unzufrieden mit den politischen Verhältnissen. 1924 kommt er in Berührung mit den Nationalsozialisten. Goebbels steigt im NS-Regime 1933 bis in die Stellung des Propagandaministers auf – einer der treuesten Diener Hitlers. Von 1923 bis an sein Lebensende im Bunker von Berlin schreibt er Tagebuch.

4. Juli 1924

Uns fehlt in Deutschland eine starke Hand. Schluss machen mit Experiment und Phrase. Anfangen mit Ernst und Arbeit. Das Judenpack, das sich dem verantwortlichen Gedanken der Volksgemeinschaft nicht fügen will, an die Luft setzen. Auch verhauen. Geldabenteurer, an die Luft gesetzt. Gustav Noske hatte etwas von einer starken Hand. Wenn der Mann mit seinen Machtmitteln die jüdische Gefahr bekämpft hätte! Wir stünden heute weiter.

Deutschland sehnt sich nach dem Einen, dem Mann, wie die Erde im Sommer nach Regen. Uns rettet nur noch letzte Sammlung der Kraft, Begeisterung und restlose Hingabe. Das sind alles ja Wunderdinge. Aber kann uns nicht nur noch ein Wunder retten?

Herr, zeig dem deutschen Volke ein Wunder! Ein Wunder!! Einen Mann!!! Bismarck, sta up! Hirn und Herz sind mir wie ausgetrocknet vor Verzweiflung um mich und mein Vaterland. Eine drückende Schwere liegt über Deutschland. Man muss auf das Schlimmste warten. Ich wollte mithelfen am Wiederaufbau. Und überall weist man mich ab. Der heutige Kampf um das Gesicht Deutschlands ist der uralte Kampf zwischen Vater und Sohn. Verzweiflung! Verzweiflung! Ich mag nicht mehr leben, um all das Unrecht anzusehen. Ich muss mitkämpfen für Recht und Freiheit! Verzweiflung! Hilf mir, großer Gott! Ich bin am Ende meiner Kraft!!!