Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz: Terror-Täter entkommt

Anschlag auf Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz : Terror-Täter entkommt Berliner Polizei

Terror in Berlin: Das ist die Todesstrecke des Lkw

Die Terrormiliz Islamischer Staat bekennt sich über ihr Sprachrohr Amak zum brutalen Anschlag von Berlin. Die am Montag festgenommene Person ist dagegen wieder auf freiem Fuß. Vieles ist noch völlig unklar.

Einen Tag nach dem verheerenden Terroranschlag in Berlin können die Sicherheitsbehörden keinen Tatverdächtigen präsentieren. Dafür nahm die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Tat für sich in Anspruch. Ihr Sprachrohr Amak erklärte im Internet, dass ein IS-Kämpfer für den Angriff verantwortlich war.

Die Polizei hatte am Montagabend nur eine Stunde nach der Todesfahrt eines Lastwagens in einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche einen Mann pakistanischer Herkunft festgenommen. Am Dienstag wurde die Person wieder freigelassen, weil keine Beweise für eine Tatbeteiligung gefunden wurden. Der oder die Täter befinden sich auf der Flucht. Man sei "hoch alarmiert", sagte der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch.

Ein Zeuge hatte den Täter nach dem Anschlag verfolgt und später aus den Augen verloren. Seine Personenbeschreibung führte zur Festnahme des Pakistaners an der Siegessäule. Am Dienstagabend verzichtete dann Generalbundesanwalt Peter Frank offiziell auf die Beantragung eines Haftbefehls.

Bei dem Anschlag am Montagabend starben zwölf Menschen, 49 Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert, 25 befinden sich nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit noch in stationärer Behandlung. Von ihnen sind 15 schwer verletzt, 24 konnten das Krankenhaus verlassen.

Unter den Opfern sind nach Informationen unserer Redaktion auch zwei Neusser, ein 40-jähriger Mann und seine Mutter. Die Mutter gilt offiziell als vermisst, ihr Sohn liegt mit mehrfachem Beckenbruch in einem Berliner Krankenhaus.

Laut Bild.de wurde eine Italienerin, die in Berlin arbeitete, bei dem Anschlag getötet. Von den Todesopfern waren bis zum Nachmittag nach Angaben der Behörden sechs Menschen identifiziert. Der Beifahrer, ein polnischer Lastwagenfahrer aus der Nähe von Stettin, wurde nach Angaben der Polizei vom Täter mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die den Tatort am Dienstag besuchte, sprach von einer "grausamen und letztlich unbegreiflichen Tat". Sie hält es für möglich, dass ein "Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat". Dies wäre "besonders widerwärtig", sagte Merkel.

Die Kanzlerin wie auch Innenminister de Maizière riefen dazu auf, sich nach den Anschlägen nicht von Angst bestimmen zu lassen. "Weichen wir zurück, dann haben die Feinde der Freiheit schon gewonnen", sagte de Maizière. CSU-Chef Horst Seehofer forderte, die Flüchtlingspolitik zu überdenken.

Der Dienstag in Berlin war geprägt von Trauer und der mühsamen Rückkehr in den Alltag. Die Straßensperren rund um den Tatort am Breitscheidplatz blieben den ganzen Tag über erhalten. Die Weihnachtsmärkte in der ganzen Hauptstadt öffneten mit einer Ausnahme nicht.

Die Innenministerkonferenz verzichtete aber darauf, bundesweit die Weihnachtsmärkte zu schließen. Am Abend ehrte die politische Führung der Bundesrepublik die Opfer in der Gedächtniskirche. Überall in der Bundesrepublik hielten die Menschen Gedenkminuten für die Toten und Verletzten ab.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte, die Bluttat habe "uns wieder vor Augen geführt, dass wir im Fadenkreuz des Terrors sind". Jedermann, so Kraft, müsse bewusst sein, dass es auch Nordrhein-Westfalen treffen könne. Kraft: "Wir dürfen die Gefahr nicht ignorieren, wir müssen mit ihr leben."

Noch in der Nacht nach dem Anschlag hat die NRW-Polizei entschieden, ihre Präsenz und Wachsamkeit zu verstärken. Wo erforderlich, so Ministerpräsidentin Kraft, trügen die Beamten Schutzwesten und Maschinenpistolen. Dies gelte insbesondere für Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen.

Polizei und Verfassungsschutz in NRW stünden in ständigem Kontakt mit den anderen Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder. Sie selbst tausche sich mit NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) aus.

(RP)
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