Bundeswehrreform Wehrpflicht für Frauen? Das ist nicht gerecht

Meinung | Düsseldorf · Der jüngste Vorstoß von Bundesverteidigungsminister Pistorius hat die Geschlechterdebatte wieder befeuert. Sollten auch die Frauen zum Wehrdienst verpflichtet werden? Nein, denn es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Martin Kessler
00:00
00:00

Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden

Eine deutsche Bundeswehr-Soldatin steht zusammen mit ihrem Kameraden bei dem von der Bundeswehr angeführten Nato-Bataillon auf dem Militärstützpunkt in Rukla. In Deutschland wird derzeit wieder über die Wehrpflicht diskutiert. Und auch darüber, ob sie für Männer und Frauen gleichermaßen gelten soll.

Eine deutsche Bundeswehr-Soldatin steht zusammen mit ihrem Kameraden bei dem von der Bundeswehr angeführten Nato-Bataillon auf dem Militärstützpunkt in Rukla. In Deutschland wird derzeit wieder über die Wehrpflicht diskutiert. Und auch darüber, ob sie für Männer und Frauen gleichermaßen gelten soll.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Die Wehrpflicht ist ein heikles Thema. Sie zwingt Bürger dazu, ihren Beitrag zur Gemeinschaft des Staates in Form von Lebenszeit statt mit Geld zu leisten. Im extremsten Fall setzt der Wehrpflichtige sogar sein Leben für die Gemeinschaft ein. Der Vorschlag von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat deshalb die Pflicht zunächst nur auf die Teilnahme an der Fragebogenaktion und an der Musterung bezogen. Und sie gilt nur für Männer.

Mit Recht kann man fragen, warum eine solche Wehrpflicht light geschlechtsabhängig sein soll. Sollte man nicht auch Frauen und Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, anschreiben und mustern. Ja, das sollte man. Etwas anderes ist es, wenn es um die Pflicht geht, den Dienst an der Waffe zu leisten. Im Extremfall einer weiter anhaltenden russischen Bedrohung kann sie notwendig werden. Sollte diese Pflicht dann nicht besser geschlechtsneutral erfolgen, also für alle, nicht nur für Männer?

„Wenn schon Wehrpflicht, dann für alle Geschlechter“ meint meine Kollegin Anja Ferber – das Stück lesen sie hier.

Im Fall von Frauen ist das anders zu sehen. Noch immer übernehmen sie laut Statistischem Bundesamt gut 45 Prozent mehr an der sogenannten Care-Arbeit als Männer. Das heißt, sie leisten mehr an häuslicher Arbeit sowie für die Betreuung und Erziehung der Kinder. Das ist nicht fair und sollte verändert werden, aber es ist immer noch Tatsache. Zudem sind manche Aufgaben auch von Männern nicht zu leisten – etwa die Geburt von Kindern und die allererste äußerst anstrengende Zeit mit den Neugeborenen. Zudem ist jede Geburt mit einem Risiko verbunden. Auch da ist eine gewisse Parallele zum Wehrdienst sichtbar.

Die Reproduktion, also das Gebären und Aufziehen von Kindern, ist zwar freiwillig (und das ist auch gut so), aber die Menschen, die das tun, leisten einen großen Dienst für die Gesellschaft. Sie sichern im Grunde deren Überleben. Und welche Folgen zu geringe Geburtenraten haben, kann man allenthalben auf dem Arbeitsmarkt, bei Rente und Gesundheit sowie auch sonst in Wirtschaft und Gesellschaft studieren. Hier wird aber der Beitrag der Frauen immer größer sein.

Es ist deshalb gerechtfertigt, sie im Falle der Wehrpflicht positiv zu diskriminieren. Das heißt, sie sollten nicht herangezogen werden. Oder zumindest etwas weniger als die Männer. In der Wehrdemokratie Israel müssen die Männer drei Jahre, die Frauen „nur“ zwei Jahre zur Armee. Hier ist die besondere Leistung der Frauen für die Gesellschaft schon eingepreist.

Militärisch können Frauen grundsätzlich das Gleiche leisten wie Männer. Deshalb sollte jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, die Möglichkeit erhalten, seinem Land freiwillig zu dienen und dafür auch einen guten Lohn zu bekommen. Artikel zwölf des Grundgesetzes sieht die Pflicht dazu allerdings ausschließlich für Männer vor. Das sollte grundsätzlich so bleiben. Denn die Reproduktion des Lebens liegt bei den Frauen, und das ist keine beiläufige Aufgabe, wenn sie übernommen wird. Das kann jede Betroffene bestätigen.

Man kann nun einwenden, dass viele Frauen keine Kinder bekommen können oder es auch nicht wollen. Wo bleibt dann die Gerechtigkeit? Sie ist da tatsächlich eingeschränkt. Aber ist völlige Gleichbehandlung wirklich gerechter, wenn eine Gesellschaft den Frauen, die gebären, einfach die Doppelbelastung aufbürdet? Das Privileg der Befreiung vom Wehrdienst sollte man den Frauen durchaus gönnen.