Gerüchte um Kai Wegner Berlins Regierender gerät der Liebe wegen unter Druck

Analyse | Berlin · In Berlin geht das Gerücht um, der Regierende Bürgermeister und die Bildungssenatorin seien ein Liebespaar. Kai Wegner gerät daher politisch mächtig unter Druck. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo er versucht, sich gegen Parteichef Friedrich Merz zu profilieren.

Kai Wegner und Katharina Günther-Wünsch sind ein Paar​
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Kai Wegner und Katharina Günther-Wünsch sind ein Paar

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Foto: Maurizio Gambarini / imago

Es gibt Umfragen, wonach jeder Dritte schon einmal eine Beziehung am Arbeitsplatz gehabt haben soll. Kommt also gar nicht so selten vor. Doch auch am Kabinettstisch?

In Berlin, auch in der CDU, ist das Privatleben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner nun politisch geworden. Und es ist derzeit das Tuschel-Thema Nummer eins. Wegner, so die Gerüchte, und die von ihm geförderte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch sollen eine Liebesbeziehung eingegangen sein. Bestätigt ist die Liaison der Parteifreunde nicht. Dementiert aber auch nicht. Es herrscht Schweigen seitens der Betroffenen und der eingeschalteten Rechtsanwaltskanzlei.

Der 51 Jahre alte Wegner hatte zwischen den Jahren die Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin bekannt gegeben, mit der er zwei Kinder hat. Ein weiteres Kind hat er zudem aus einer vorangegangenen Beziehung. Die 41-Jährige Günther-Wünsch ist Mutter von vier Kindern und hatte sich vor mehreren Monaten von ihrem Mann getrennt. Soweit die privaten Fakten.

Der Regierende gerät nun aber mächtig unter Druck. So wird sich das Abgeordnetenhaus mit dem Gerücht beschäftigen – inzwischen wurde eine parlamentarische Anfrage gestellt, die darauf zielt, eine Bestätigung oder ein Dementi der vermeintlichen Liebesbeziehung zu erhalten. Auch wird die Frage gestellt, ob es womöglich Interessen- und Loyalitätskonflikte wegen einer möglichen privaten Verbindung gibt, die die politischen Funktionen beeinträchtigen könnten. Und wer wen wann und warum unterstützt hat. FDP-Vize Wolfgang Kubicki wird deutlich: „Selbstverständlich gilt für Kai Wegner auch, dass Liebe Privatsache ist. Aber ein Paar im selben Senat ist etwas anderes.“

Kubicki ergänzt: „Es ist deshalb ein Problem, weil Herr Wegner und Frau Günther-Wünsch immer dem Verdacht entgegenwirken müssen, ihr Privatleben von ihrer politischen Arbeit nicht trennen zu können.“ Eine solche Konstellation „wäre jedenfalls in einem börsennotierten Unternehmen aus guten Gründen undenkbar“, so der Bundestagsvizepräsident zu unserer Redaktion. „Es wäre besser, der Regierende Bürgermeister würde diese Compliance-Regeln auch beherzigen.“

Die Debatte fällt zudem in eine Zeit, in der Wegner versucht, bundespolitisch stärkere Akzente zu setzen und sich auch als Kontrapart zu Parteichef Friedrich Merz zu profilieren. Merz will an der Schuldenbremse festhalten, Wegner fährt ihm in die Parade; Merz äußert sich missverständlich zur AfD, Wegner schießt gleich gegen den Vorsitzenden. Und was die Kanzlerkandidatur angeht, sieht der Berliner noch längst nicht eine Entscheidung zugunsten des Sauerländers gefallen. Das hat er neulich erst wieder unmissverständlich deutlich gemacht. In der Bundes-CDU rätselt man, was Wegner antreibt. Dort heißt es zwar, die Privatangelegenheiten des Regierenden seien kein Thema. Gleichwohl weiß man: Sie können noch zu einem werden, wenn der politische Druck auf den Spandauer aus der Berliner CDU und vor allem seitens der Opposition im Abgeordnetenhaus größer wird.

Was also tun? Jo Groebel ist einer der bekanntesten Medienpsychologen. Er sagt: „Wo die Liebe hinfällt, da ist sie da.“ Die Frage sei, wie Wegner jetzt damit umgehe, so Groebel zu unserer Redaktion. „Und das muss möglichst transparent sein, auch wenn es schwierig ist.“ Dabei müsse erläutert werden, „dass man die beiden Dinge getrennt hält“. Einen Rücktrittsgrund sehe er nicht, so Groebel. Es stelle sich sowieso die Grundsatzfrage: „Wie viele Freiheitsgrade beim Führen eines emotionalen Lebens haben Politiker heutzutage noch?“

 Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) gerät nun zunehmend politisch unter Druck. Grund ist eine angebliche Liebesbeziehung.

Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) gerät nun zunehmend politisch unter Druck. Grund ist eine angebliche Liebesbeziehung.

Foto: dpa/Annette Riedl

Wohl nicht viele. Liebe in der deutschen Politik ist allerdings nicht ganz so selten. Ex-Kanzlergattin und Politikerin Doris Schröder-Köpf und der heutige Verteidigungsminister Boris Pistorius waren mal ein Paar, die ehemaligen Linken Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sind noch eins. Ebenso die Münteferings. Und die beiden Bundestagsabgeordneten Wolfgang Stefinger (CSU) und Sepp Müller (CDU).

(has)
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