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Schwarz-gelb beschließt Erleichterung: Was sich jetzt bei den Steuern ändert

Schwarz-gelb beschließt Erleichterung : Was sich jetzt bei den Steuern ändert

(RP). Nichts wird so gerne hinausgezögert wie die Steuererklärung. Bald ist genau dies aber möglich, das hat die schwarz-gelbe Koalition am Donnerstag beschlossen. Experten kritisieren die neue Regelung als "trügerisch". Denn eine gemeinsame Steuererklärung für zwei Jahre ist nicht möglich.

Union und FDP haben gestern eine Reihe von Steuervereinfachungen beschlossen, darunter die Möglichkeit, Steuererklärungen nur noch alle zwei Jahre abzugeben.

Was genau ist künftig möglich? Steuerzahler können die Steuererklärung bald um ein Jahr hinauszögern — sofern sie das möchten. Im Folgejahr aber müssen sie sich doppelt anstrengen, und beide fälligen Steuererklärungen getrennt voneinander abgeben.

Warum hat die Regierung diese neue Regelung geschaffen? Das Ziel, eine gemeinsame Steuererklärung für zwei Jahre zu ermöglichen, verfolgte bereits die Regierung Helmut Kohl. Das Projekt kam 1996 zum Erliegen, als die damalige Einkommenssteuer-Reform im Bundesrat scheiterte. Jetzt wurde die Idee wieder aufgegriffen, aber nur halbherzig umgesetzt, monieren Verbraucherschützer.

Was wird kritisiert? Eine gemeinsame Steuererklärung für zwei Jahre sei technisch gar nicht umsetzbar, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Die neue Regelung umfasse keine einheitliche Steuererklärung für zwei Jahre, sondern biete nur die Möglichkeit, zwei Steuererklärungen parallel abzugeben. "Das ist keine Vereinfachung, sondern eine Verzögerung", sagt Käding.

Warum kann nicht eine einzige Steuererklärung im Zwei-Jahres-Rhythmus abgegeben werden? Theoretisch ginge dies nur, wenn Ein- und Ausgaben in beiden Jahren übereinstimmen. Weil dies eigentlich nie der Fall ist, würden sich bei einer einheitlichen Steuererklärung Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung ergeben.

Was empfehlen Experten? Anita Käding vom Bund der Steuerzahler rät davon ab, von der neuen Regelung Gebrauch zu machen. "Zu kompliziert", lautet ihr Urteil.

Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband spricht von einer "trügerischen Vereinfachung". Denn aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Steuerzahlern müsse klar sein, dass die Steuererklärung als solche nicht einfacher werde. So sei es doch beschwerlich, Belege über einen noch längeren Zeitraum zu sammeln als bislang. Oder sich nach zwei Jahren daran zu erinnern, wie das heimische Büro vor geraumer Zeit ausgestattet gewesen war, sagt der Rechtsanwalt. Er weist außerdem auf die sich ständig verändernde Steuergesetzgebung hin. "Zwei bis drei Änderungen pro Jahr sind die Regel", sagt der Experte. Die Steuererklärung müsse aber immer genau zu den Gesetzen passen, die in dem entsprechenden Jahr gültig sind. "Laien verlieren da schnell den Überblick", sagt Markus Deutsch. Er geht davon aus, dass das eigenhändige Ausfüllen der Steuererklärung durch die neue Regelung erschwert wird.

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Kann eine Hinauszögerung der Steuererklärung auch Vorteile bringen? Ja, nämlich für diejenigen, die eine Nachzahlung befürchten. Allerdings sind davon nur rund acht Prozent der Steuerzahler betroffen. Sie können die Forderungen des Finanzamtes hinausschieben und erhalten praktisch ein zinsloses Darlehen. Dafür müssen sie im Folgejahr unter Umständen doppelt zahlen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die bislang geltenden strengen Fristen für die Abgabe der Steuererklärung gelockert werden, was das Prozedere für alle Steuerzahler erleichtert.

Wann ist ein Hinauszögern nicht empfehlenswert? Insbesondere diejenigen, die eine Erstattung vom Finanzamt erwarten, sollten ihre Steuererklärung nicht hinauszögern, rät der Bund der Steuerzahler. Denn sie gewähren dem Fiskus ein zweijähriges zinsfreies Darlehen, wenn sie die Rückzahlung nicht vom Staat einfordern. Bei einer durchschnittlichen Steuererstattung, die laut Statistischem Bundesamt 823 Euro beträgt, entgehen dem Steuerzahler also Zinsen von etwa 16 Euro pro Jahr bei einem Tagesgeld-Zinssatz von zwei Prozent.

Hier geht es zur Infostrecke: Neun Steuererleichterungen für Bürger

(RP)