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Besuch in Teheran: Was macht Schröder bei Ahmadinedschad?

Besuch in Teheran : Was macht Schröder bei Ahmadinedschad?

Berlin (RPO). Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ist während seiner gesamten Amtszeit nie in den Iran gereist. Nun holt er es nach. Bei seinem viertägigen Besuch trifft er auch Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad. Offiziell handelt es sich um eine private Visite. Inoffiziell dürfte das Atomprogramm des Iran eine tragende Rolle spielen.

Das Programm des Alt-Kanzlers wirkt alles andere als privat. Mehreren Medienberichten zufolge sind neben der Zusammenkunft mit Ahmadinedschad auch Treffen mit Parlamentspräsident Ali Laridschani und Außenminister Manutscher Mottaki vorgesehen. Zudem sei eine Begegnung mit Ex-Präsident Haschemi Rafsandani geplant, dem jetzigen Vorsitzenden des einflussreichen Obersten Schlichtungsrats. Schröders Büro soll die Treffen bestätigt haben.

Wie bei Auslandsreisen eines Altkanzlers üblich war das Auswärtige Amt in die Vorbereitung eingebunden. Auch die USA sollen Rückendeckung für die Reise nach Teheran signalisiert haben, munkelt man. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes hatte im Vorfeld der Reise betont, dass der Ex-Kanzler auf eigene Rechnung fahre, nicht im Auftrag der Bundesregierung. Es sei aber selbstverständlich, dass vorher der Sachverstand der Regierung eingeholt worden sei.

Worum es in diesem Austausch ging, ist nicht bekannt. Die drängenden Probleme im schwierigen Verhältnis zum Iran schon. Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Teheran bestreitet dies und gibt an, sein Atomprogramm diene nur zivilen Zwecken. Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits mehrmals Sanktionen verhängt - ohne Erfolg. Hinzu kommt der Nahost-Konflikt, der ohne Teheran nicht zu lösen sein wird.

Große Anreize

Zudem ist der Iran als großer Ölproduzent wegen der unsicheren Zukunft der Energieversorgung des Westens ein interessanter Gesprächspartner. Der Iran und der russische Erdgasmonopolist Gazprom wollen im Frühsommer ihre Verhandlungen über eine engere Kooperation insbesondere bei der Erschließung iranischer Erdgasfelder intensivieren. Schröder ist Aufsichtsratvorsitzender der North Stream, einer von Gazprom unter Beteiligung von BASF und Eon für den Bau der Ostseepipeline nach Deutschland gegründeten Aktiengesellschaft.

Die Anreize für Gespräche mit dem Iran sind entsprechend groß. US-Präsident Barack Obama will entsprechend frischen Wind in die verfahrenen Beziehungen zum Iran zu bringen. Amerika will den Kontakt zum Iran wiederbeleben, der nach der Geiselnahme von US-Bürgern und der Revolution gegen den Schah vor 30 Jahren abbrach. Auf beiden Seiten hat es nun seit der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten freundliche Signale gegeben. Offiziellen Charakter haben die zarten Bande bisher nicht.

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Gerüchteküche im Iran

Die iranische Presse hatte im Vorfeld bereits kräftig über die Reisemotive Schröders spekuliert. Tenor: Der Alt-Kanzler hat eine Botschaft von Obama und Merkel im Gepäck. Schröder will davon nichts wissen. Er habe keine Botschaft im Gepäck, aber Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Beziehungen zwischen der internationalen Gemeinschaft und dem Iran, wiegelte der 64-Jährige ab.

Zustandegekommen ist die Reise auf Einladung des Neurochirurgen Madschid Sami. Er kennt Schröder seit Jahren aus Hannover. Dort hat der Mediziner das "International Neuroscience Institute" gegründet. Bei seinem ersten Termin nahm Schröder zusammen mit Sami an der Gründung einer wissenschaftlichen Stiftung teil und hielt eine Rede.

Bereits am Donnerstag ist der Alt-Kanzler in Teheran gelandet. Bei seiner Ankunft sprach er sich für direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA aus. Ein solcher Kontakt würde ihn freuen, sagte Schröder nach seiner Ankunft am Donnerstag. Als Privatmann, versteht sich.

Mit Agenturmaterial

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