Notfallhilfen für Griechenland: Warum der IWF Athen retten soll

Notfallhilfen für Griechenland: Warum der IWF Athen retten soll

Berlin (RP). Gegen den Widerstand vieler EU-Partner setzt die Kanzlerin auf die Einbindung des Internationalen Währungsfonds. In der Europäischen Zentralbank sind viele dagegen, doch Angela Merkel findet auch Unterstützer.

So haben die Europäer die Kanzlerin noch nicht erlebt: Mit ungewohnter Härte setzt Angela Merkel (CDU) gegen den Widerstand vieler EU-Regierungen ihre Strategie zur Rettung Griechenlands durch. Ihr zentrales Anliegen: Griechenland soll notfalls die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen. IWF-Kredite, so der Plan Merkels, könnten durch freiwillige bilaterale Hilfen der Euro-Staaten ergänzt werden.

Warum will Angela Merkel den IWF ins europäische Boot holen?

Dies hat zunächst ganz profane fiskalische Gründe: Eine alleinige europäische Lösung des Griechenland-Problems würde Deutschland deutlich mehr Geld kosten. Teilten sich jedoch der IWF und die Euro-Staaten die Kosten, kämen auf Deutschland geringere Lasten zu. Wichtiger sind Merkel jedoch andere Gründe: Der IWF verfügt über jahrzehntelange Erfahrung, wenn es darum geht, überschuldete Staaten vor dem Zusammenbruch zu bewahren. In Europa hat er zuletzt Rumänien, Lettland und Ungarn gemeinsam mit der EU geholfen. In allen drei Staaten zeigen sich bereits Erfolge. Der IWF ist zudem sofort einsatzbereit — und er verfügt über das nötige Kapital.

Was hat die Europäische Zentralbank gegen eine IWF-Beteiligung?

Dies hat vor allem politische Beweggründe, weniger ökonomische. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet befürchtet einen Verlust an Glaubwürdigkeit. Indem die Euro-Zone den Währungsfonds zu Hilfe rufe, gestehe sie ein, dass sie ihre Probleme nicht allein lösen könne. Zudem wird in der EZB geargwöhnt, der US-dominierte IWF wolle in der Euro-Zone eine laxere Geldpolitik durchsetzen. In den USA ist die Neigung, höhere Inflation hinzunehmen, ausgeprägter als in Europa. Solche Bedenken teilt David Milleker, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, nicht: "Der IWF wird keinen Einfluss auf die Geldpolitik in Europa haben, die EZB würde nicht einen Hauch an Autorität verlieren, wenn der IWF Griechenland helfen würde."

Warum hat sich Frankreich so lange gegen den IWF gesträubt?

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Chef des IWF ist der Franzose Dominique Strauss-Kahn, der bei den nächsten französischen Wahlen gegen Nicolas Sarkozy antreten will. Strauss-Kahn könnte sich im Wahlkampf als "Retter des Euro" aufschwingen, kein schönes Szenario für Sarkozy.

Welche Vorteile hätte ein IWF-Engagement mittelfristig?

Mit dem IWF im Hintergrund gewinnen Problemstaaten wie Griechenland sofort das Vertrauen der Kapitalanleger zurück. "Es reicht, dass die Leute wissen, im Zweifel ist der IWF da", sagt Milleker. Dies ist auch mit Blick auf andere Defizitsünder wie Portugal, Spanien oder Irland wichtig: Damit wüchse die Chance, ein Überspringen der Krise auf diese Staaten zu verhindern.

Wie groß ist die Gefahr eines Flächenbrands in Europa?

Wie Griechenland hatte auch Portugal seit dem Euro-Beitritt jede Haushaltsdisziplin vermissen lassen. Wegen zu hoher Lohnstückkosten leidet das Land unter einer Exportschwäche. Die Ratingagentur Fitch stufte das Land herab, für Kredite muss es nun noch höhere Zinsen zahlen.

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(RP)