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Warum der Blitzmarathon 2015 überflüssig ist - ein Kommentar

Kontrollen : Warum der Blitzmarathon überflüssig ist

Das Großaufgebot der Polizei im Kampf gegen die Tempo-Sünder ist wirkungslose Symbolpolitik. Für den steuerzahlenden Bürger ist er ein Ärgernis, weil die Polizei allzu oft dort fehlt, wo sie wirklich gebraucht wird.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Raserei von Auto- und Motorradfahrern ist eine Ordnungswidrigkeit, die Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer bedroht, und selbstverständlich geahndet werden muss. Ein Blitz-Marathon ist aber so überflüssig wie eine Rohkostplatte auf einem Kindergeburtstag — Geschwindigkeitskontrolle ist ein gutes Instrument, das aber mit Augenmaß eingesetzt werden muss. Wer wirklich daran glaubt, dass ein solcher Blitz-Marathon eine pädagogische Wirkung entfaltet und aus notorischen Rasern umsichtige Autofahrer macht, ist wahrscheinlich auch von der Existenz des Osterhasen überzeugt. Dieser Blitz-Marathon ist eine PR-Aktion der Sicherheitsbehörden, mehr nicht.

Ärgerlich ist, dass er so viele Polizeikräfte bindet, die an anderer Stelle fehlen. Rund 30.000 Arbeitsstunden von Polizisten müssen in NRW für einen Blitz-Tag eingesetzt werden. Derweil machen die Opfer von Wohnungseinbrüchen immer häufiger die Erfahrung, dass die Polizei bei der Ermittlung der Täter weitgehend machtlos ist. Vorbeugende Streifenfahrten in Wohngebieten haben auch Seltenheitswert. Dabei wäre die Polizei bei der Einbruch-Vorbeugung wirklich gefragt.

Geschwindigkeitskontrollen machen an gefährlichen Stellen und Unfallschwerpunkten Sinn. Auch die gelegentliche Überwachung des Tempo-Limits verschiedener Straßen sind zu rechtfertigen, aber bitte alles mit Augenmaß und nicht im Marathon-Format. Wenn Kameras an übersichtlichen Stellen aufgestellt werden, an denen der Autofahrer in eine niedrigere Tempo-Zone wechseln muss, dann dienen diese mehr dem Abkassieren als der Verkehrssicherheit. Manche Kommunen haben den Autofahrer regelrecht als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. Oder welche sachliche Begründung gibt es dafür, auf einem Supermarktparkplatz, der auf der grünen Wiese liegt, Parkscheiben zu verlangen und jeden Verstoß mit einem Knöllchen zu ahnden? Die Polizei und ihre Aufsichtsbehörden müssen bei ihren Maßnahmen zur Disziplinierung der Verkehrsteilnehmer redlicher zwischen notwendigen Maßnahmen und einem bequemen Abkassieren der Autofahrer unterscheiden.

Die Blitz-Aktionen gibt es in NRW seit 2012. Einen Beitrag zur Verkehrssicherheit scheinen sie nicht zu leisten. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Verkehrstoten gestiegen.

(qua)