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Wahlnacht: US-Präsidentschaftswahlen – viele fiebern mit, aber feiern nicht

US-Präsidentschaftswahlen : Wahlnacht – viele fiebern mit, aber feiern nicht

Dreimal mehr Amerikaner weltweit als vor vier Jahren haben versucht, mit ihrer Stimme Einfluss aus dem Ausland zu nehmen. So aufwühlend das Ereignis für sie auch in Deutschland ist, die Partys wurden alle abgesagt.

Viele betrachten die Entscheidung über den künftigen Präsidenten bei den US-Wahlen an diesem Dienstag als Ausnahmeereignis. Das merken auch die in Deutschland organisierten Anhänger der Demokratischen Partei. Rekordzahlen seien über die Wahlbeteiligung zu melden. „Weltweit haben mehr als 1,2 Millionen Amerikaner unser Tool genutzt, um ihre Stimme abzugeben“, berichtet Beverly Seebach von der deutschen Sektion der „Democrats Abroad“. Das seien dreimal so viele wie bei der letzten Wahl im Jahr 2016. Wie viele aus Deutschland dabei waren, lasse sich erst nach dem Wahltag abschätzen.

Rund 120.000 US-Bürger haben ihren derzeitigen Wohnsitz in Deutschland, gut 20.000 leben allein in der Hauptstadt Berlin. Unter ihnen haben sowohl die „Democrats Abroad“ als auch die „Republicans Overseas“ die Werbetrommel für eine Beteiligung per Brief gerührt. Die Motivation zur Teilnahme ist so groß wie selten, aber auch die Verunsicherung. Kommen die vor Wochen angeforderten Stimmzettel rechtzeitig im Wahlamt jenes Bundestaates an, in dem sie zuletzt gemeldet waren? Drei Wochen brauche die Post mindestens, hieß es. Manche nutzen nun sogar die Stimmabgabe per Fax – auch wenn es mit dem Wahlgeheimnis dabei so eine spezielle Sache ist.

So aufwühlend die Entscheidung zwischen Donald Trump und Joe Biden weltweit ist, so groß auch das Bedürfnis ist, sich auszutauschen und emotional zusammenzustehen – in Corona-Zeiten fallen die üblichen Wahlnacht-Formate aus. Keine der großen Wahlpartys in aller Öffentlichkeit findet statt, ja nicht einmal im privaten Rahmen können US-Bürger und Amerika-Fans miteinander feiern. Auch das Aspen Institute, die renommierte transatlantische Denkfabrik, hat die große Party längst abgesagt. Wenigstens kann die Programmverantwortliche Monika Kreutz am Dienstagabend viele Experten und Vertreter der einschlägigen Stiftungen versammeln, um die Zuschauer auf die letzten Erwartungen und Spekulationen einzustimmen – allerdings alles nur im Online-Format.

Und danach? Zu der Zeit, zu der in früheren Wahljahren in überfüllten Kongress- und Kinosälen bei Popcorn, Bier, Burgern und vielen Fähnchen die Post abging? „Wir werden wohl eher sehr unspektakulär zu Hause und in social distancing den weiteren Verlauf und hoffentlich erste Ergebnisse auf CNN verfolgen“, lautet die Erwartung von Kreutz.

So stellt sich denn auch der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, der Ratinger CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Beyer, auf eine „vergleichsweise einsame Nacht“ ein, die er nach seiner Einschätzung in seinem Bundestagsbüro verbringen wird. Weil es „unglaublich spannend“ wird, hatte er versucht in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft gegenüber dem Reichstagsgebäude ein Treffen im kleinen Kreis unter Einhaltung von Abstand und Hygiene zu organisieren. Doch da kamen ihm die neuerlichen Verschärfungen dazwischen, und selbst diese Zusammenkunft musste geknickt werden – „was schade, aber nachvollziehbar ist“, sagt Beyer.

Alexander Graf Lambsdorff, der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion und Vorstand der Atlantik-Brücke, wird zwar kein Auge zumachen in der Wahlnacht, aber diese vor allem „auf verschiedenen Sofas in unterschiedlichen TV-Studios verbringen“. Allerdings könne man dies sicherlich nicht Party nennen, zumal ja erst am Morgen – „wenn überhaupt“- feststehe, ob Grund zur Freude bestehe. Doch selbst dann dürfe daraus keine Feier werden. „Schließlich halten wir uns an die Regeln“, unterstreicht der FDP-Außenexperte.