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Vorwürfe zu DIVI-Register: Intensivmediziner und Krankenhäuser wehren sich

Wirbel um Divi-Register : Intensivmediziner verteidigen ihre Melderegister

Den Vorwurf, in der Pandemie bewusst weniger freie Intensivbetten gemeldet zu haben als tatsächlich vorhanden, weisen Mediziner und Kliniken ausdrücklich zurück. Und sie erklären, welche Rolle der Bundesrechnungshof und seine vermeintlichen Enthüllungen spielen.

Das Abflachen der Corona-Kurve und die langsame Entlastung der Kliniken haben bei einigen im Nachhinein Zweifel aufkommen lassen: Wie schlimm war die Lage zu Höchstzeiten auf den Intensivstationen wirklich, wie sieht es aktuell aus? Manch ein Mediziner ließ durchblicken, zentrale Statistiken zur Auslastung von Intensivstationen seien gezielt übertrieben worden. Die „Bild“-Zeitung spricht von „einem der größten Skandale der Pandemie“ und von Manipulation, um Freihaltepauschalen zu kassieren – und bezieht sich auf einen noch unveröffentlichten Bericht des Bundesrechnungshofes. Demnach soll das RKI dem Gesundheitsministerium  laut Rechnungshof bereits Anfang 2021 empfohlen haben, die Ausgleichszahlungen an Krankenhäuser nicht mehr von den im DIVI‐Intensivregister gemeldeten Daten abhängig zu machen.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) sieht offenbar Klärungsbedarf und verschickte am Freitagnachmittag eine Stellungnahme: „Das Divi-Intensivregister und die hierin abgefragten Daten aller Intensivstationen mit Akutversorgung in Deutschland, rund 1330 an der Zahl, sind und waren zu jeder Zeit belastbar – zur Bewertung der Pandemie und der Lage auf den Intensivstationen“, heißt es darin. Die Divi habe keinen Hinweis darauf, dass eine bewusste Falschmeldung der Krankenhäuser erfolgt ist. „Wir weisen den Verdacht entschieden zurück, Kliniken würden sich im großen Stil durch bewusste Falschmeldungen bereichern.“

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft stütze man Einschätzungen nicht auf einzelne Daten oder eine einzige Quelle, heißt es weiter. Neben dem Indikator der „freien betreibbaren Betten“ seien zahlreiche weitere im Divi-Intensivregister erfasst worden (freie Beatmungskapazitäten, freie ECMO-Kapazitäten, Bewertung der Situation nach Ampel-Prinzip ). Erst in der Zusammenschau habe sich ein umfassendes Bild ergeben, das mit dem RKI, mit Bund und Ländern abgeglichen worden sei.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) teilt mit: „Krankenhäuser haben die Zahl der Intensivbetten nicht manipuliert, diesen Verdacht äußert auch der Bundesrechnungshof nicht. Intensivbettenzahlen zu manipulieren ist auch gar nicht möglich, da die Ausgleichszahlungen an Bedingungen geknüpft sind, die die Krankenhäuser nicht beeinflussen können“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß, unserer Redaktion. „Dazu zählen die regionale Inzidenz, die Zugehörigkeit zu einer Notfallversorgungs-Stufe und die Auslastungsquote der Intensivstationen aller Krankenhäuser im gesamten Landkreis. Es geht eben ausdrücklich nicht um die Quote freier Betten in einzelnen Krankenhäusern, die dann daraus theoretisch ein Vorteil erzielen könnten. Zudem haben wir mit dem Intensivregister eine transparente Datenbank, die uns aktuell und verlässlich die Zahl der Intensivbetten meldet.“

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Die Divi sieht trotz allem Nachbesserungsbedarf. Die aktuelle Diskussion zeige, dass sich die Datenlage der einzelnen Kliniken deutlich verbessern müsse. „Wir brauchen noch mehr Transparenz“, so die Vereinigung der Intensivmediziner, die eine bessere Digitalisierung der Krankenhäuser inklusive Real-Time-Datenerfassung fordert. So könne von vornherein jeglicher Verdacht eines Missbrauches ausgeschlossen werden.

(jra/mün)