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Vorschlag von Faeser​: Was von früherer Rente für Ehrenamtler zu halten ist​

Vorschlag von Innenministerin Faeser : Was von früherer Rente für Ehrenamtler zu halten ist

Frühere Rente als Belohnung für langjähriges Ehrenamt? Die Idee von Innenministerin Nancy Faeser klingt nach ehrlicher Anerkennung für Menschen, die für ein funktionierendes Allgemeinwesen nötig sind. Trotzdem gibt es Gründe dagegen.

Es wirkt ja erst einmal nett, was Innenminister Nancy Faeser (SPD) zur Anerkennung für engagierte Ehrenamtler vorschlägt: Wer sich ein Leben lang in einem unentgeltlichen Amt für die Allgemeinheit einsetzt, solle ein Jahr früher in Rente gehen können, hat sie bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland gesagt. Damit tritt die SPD-Politikerin als eine auf, die Ehrenamtlern nicht nur die üblichen warmen Worte spendieren will, sondern Anerkennung, die sich lohnt – finanziell.

Doch bei näherer Betrachtung ist es schon befremdlich, dass die Politikerin das Thema Renteneintrittsalter damit behandelt, als ginge es um ein Geschenk, das die Politik nach Gutdünken verteilen könne. Statt Blumenstrauß und Ehrennadel. Mal sollen dann Eltern beglückt werden, weil sie schließlich mit unbezahlter Erziehungsarbeit die Zukunft des Landes sichern helfen. Nun die Ehrenamtler, weil sie in vielen Lebensbereichen einspringen, in denen Menschen auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. Das Muster ist immer gleich: Der Staat wird als Belohner ins Spiel gebracht für Leistungen, die Bürger unentgeltlich übernehmen, die aber für die Allgemeinheit zentrale Bedeutung haben. So aber funktioniert das Rentensystem nicht. Und das Ehrenamt auch nicht.

Hinter dem Gedankenspiel einer Anerkennung für Dienste an der Allgemeinheit über den Umweg der Rentenzahlung steckt ja die Idee, das könne mehr Menschen ins Ehrenamt locken. Es ist ja kein Zufall, dass Faeser ihren Vorschlag verknüpft hat mit Lob für Freiwillige bei Feuerwehren und Rettungsdiensten und zugleich warnt, diese könnten irgendwann überfordert sein. Menschen übernehmen Ehrenämter aber gerade nicht aus Kalkül, wie einen zweiten Job, und auch nicht aus der Angst, dass das Allgemeinwesen sonst in Teilen zusammenbrechen könnte. Sondern aus Freude an einer Tätigkeit und weil sie von der Sinnhaftigkeit überzeugt sind. Gerade Menschen, die das viele Jahre tun, die die Höhen und Tiefen von Ehrenämtern erleben und trotzdem dabeibleiben, brauchen diese innere Motivation. Der Gesellschaft etwas geben, erleben, wie Geben bereichert, so funktioniert Ehrenamt.

Nicht dass es falsch wäre, dafür ernsthaft Anerkennung zu zollen. Aber nicht mit Gedankenspielen zu Rentengeschenken, die sich nicht einlösen lassen. Und für die genau erhoben werden müsste, wer durch was welche Leistung für die Allgemeinheit erbracht hat. Denn das würde dem Ehrenamt das Wichtigste nehmen: den inneren Antrieb.