Ministerin Lemke Vorkassenzahlung bei Fluglinien könnte auf den Prüfstand kommen

Berlin · Wegen des anhaltenden Flugchaos hat Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke von den Grünen den Fluglinien mit einer Abkehr vom Vorkassenprinzip beim Ticketkauf gedroht. Schließlich handele es sich dabei um einen Vertrauensvorschuss.

 Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, bei einer Pressekonferenz in Wilhelmshaven (Archiv).

Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, bei einer Pressekonferenz in Wilhelmshaven (Archiv).

Foto: dpa/Sina Schuldt

Die Fluggesellschaften seien zur Erstattung innerhalb von sieben Tagen und in bestimmten Fällen auch zu einer zusätzlichen Entschädigung verpflichtet, sagte Lemke einem Vorabbericht der „Bild am Sonntag“ zufolge. „Wenn wir sehen, dass die Fluggesellschaften wirklich in großem Stil ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, werden wir Abhilfe schaffen. Wir müssten dann darüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, dass Flüge per Vorkasse bezahlt werden.“

Das Vorkassenprinzip sei ein Vertrauensvorschuss der Kunden, so Lemke. „Sie bezahlen eine Leistung, die sie erst in Tagen, Wochen oder Monaten in Anspruch nehmen. Wenn die Fluggesellschaften dem Vertrauen nicht mehr gerecht werden, muss man dieses Prinzip ändern.“

Aktuell setze sie allerdings darauf, dass die Unternehmen ihren Verpflichtungen nachkämen. „Wir werden das genau kontrollieren“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu.

Auf die Frage, was das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium von einer möglichen Abkehr vom Vorkasse-Prinzip für Flugreisen halte, antwortete eine Sprecherin: „Die zuständigen Ressorts der Bundesregierung stehen in engem Austausch und werden die weitere Entwicklung beobachten.“ Aufgrund von Personalmangel und Streiks haben Airlines zahlreiche für Juli und August geplante Flüge gestrichen.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband fordert bereits seit längerer Zeit, dass der Preis für Flüge und Pauschalreisen frühestens zum Zeitpunkt des Reiseantritts fällig werden sollte. In einem entsprechenden Positionspapier vom März 2021 hatte der Verband errechnet, dass die Preise für die Verbraucher dadurch um maximal 3,3 Prozent steigen würden.

(hebu/Reuters/dpa)