Von der Leyen: 100 Millionen für attraktivere Bundeswehr

Pläne der Verteidigungsministerin : Von der Leyen: 100 Millionen für attraktivere Bundeswehr

Kostenfreies Internet in den Kasernen, modernisierte Stuben mit Fernsehgeräten und Kühlschränken, deutlich weniger Versetzungen und mehr Kita-Plätze für die Kinder von Bundeswehrangehörigen – mit 29 Einzelmaßnahmen will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Bundeswehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen.

Kostenfreies Internet in den Kasernen, modernisierte Stuben mit Fernsehgeräten und Kühlschränken, deutlich weniger Versetzungen und mehr Kita-Plätze für die Kinder von Bundeswehrangehörigen — mit 29 Einzelmaßnahmen will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Bundeswehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen.

Wie aus Unterlagen ihres Ressorts hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegen, sollen die meisten Projekte bereits Ende 2015 umgesetzt sein. Insgesamt stehen für die Attraktivitäts-Offensive 100 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre bereit. Das Geld soll aus dem Wehretat stammen.

Aus dem Programm spricht die Sorge des Ministeriums darum, nach Bundeswehrreform und Abschaffung der Wehrpflicht weiterhin genügend geeignete Bewerber für die Truppe zu finden — sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich. "In Zukunft werden die jungen Leute nur zu uns kommen, wenn sie uns interessant finden", erklärte die Ministerin. "Wir konkurrieren mehr denn je mit anderen Arbeitgebern."

Für viele Soldaten der wohl wichtigste Punkt: die Begrenzung von Versetzungen. Bislang müssen die Soldaten durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre ihren Standort wechseln. Künftig soll das alle vier bis sechs Jahre sein. Hinzu kommen Maßnahmen, wie sie in zahlreichen Wirtschaftsunternehmen längst gang und gäbe sind: Teilzeitarbeit, Lebensarbeitskonten, eine interne Datenbank für talentierte Mitarbeiter und rechtzeitigere Ankündigung von Versetzungen. Aber auch Praktisches: So sollen alle Soldaten im Auslandseinsatz künftig kostenfrei in die Heimat telefonieren können.

Kritik an von der Leyens Modernisierungsprogramm

Das Modernisierungsprogramm für die Bundeswehr stößt beim Koalitionspartner und bei früheren Spitzenmilitärs auf Kritik. Der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold bezeichnete das von der CDU-Politikerin angestrebte Ziel, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber zu machen, als "vermessenes Versprechen". "Man darf Erwartungen nicht enttäuschen", warnte Arnold in der "Leipziger Volkszeitung".

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, warf von der Leyen Profilierungsstreben auf Kosten der Bundeswehr vor. Der CDU-Politikerin gehe es offenkundig um alles Mögliche, aber nicht um die Einsätze der Bundeswehr. "Viel mehr als mit einer Kindertagesstätte wäre der Familie eines Soldaten geholfen, wenn sie wüsste, dass alles für seine Sicherheit im Einsatz getan wird", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Dafür sei die bestmögliche Ausrüstung erforderlich. Das Material der Bundeswehr veralte aber zunehmend, sagte Kujat, der von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr und anschließend Vorsitzender des Militärausschusses der Nato war.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ursula von der Leyen eröffnet erste Bundeswehr-Kita

(maxi, qua)
Mehr von RP ONLINE