Arbeitszeitverkürzung : Kipping fordert „Task Force“ für Vier-Tage-Woche

Bundesarbeitsminister Heil solle Gewerkschafter, Unternehmer und Wissenschaftler an einen Tisch holen. Arbeitszeitverkürzung müsse neue Normalität werden. Die SPD ist nicht abgeneigt.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping hat angesichts der Unterstützung aus der SPD für ihren Vorstoß zu einer Vier-Tage-Woche Arbeitsminister Hubertus Heil zur schnellen Bildung einer „Task-Force“ aufgefordert. „Der Zuspruch für die Vier-Tage-Woche ist so groß, dass es höchste Zeit ist, konkrete Schritte zu gehen. Ich schlage dazu eine „Task Force Arbeitszeitverkürzung“ aus Opposition und Regierung, aus Gewerkschaften und Unternehmen, sowie aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft vor“, sagte Kipping am Donnerstag unserer Redaktion. Erster Ansatz für eine Arbeitszeitverkürzung könne die Automobilindustrie sein, wo derzeit Kurzarbeit und drohender Arbeitsplatzverlust das Bild bestimmten.

Da Heil bereits Sympathien für die Vier-Tage-Woche geäußert habe, könnte er zu der Expertengruppe einladen, die Vorschläge zur praktischen Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung erarbeiten solle, sagte Kipping. In dieser Gruppe müssten auch Experten am Tisch sitzen, die zum Thema Arbeitszeitverkürzung aus Sicht der Arbeitspsychologie und Arbeitssoziologie geforscht hätten sowie Expertinnen zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit für eine faire Verteilung der Tätigkeiten zwischen Männern und Frauen.

Die Politik müsse das Ziel einer 30-Stunden- oder Vier-Tage-Woche als neue Normalität in Angriff nehmen. Sie sei es den Beschäftigten schuldig, die Gelegenheit zu ergreifen und die Arbeitsverhältnisse so weiterzuentwickeln, dass sie sich besser mit den verschiedenen Lebenslagen der Menschen vereinbaren ließen. Studien belegten, dass Arbeitszeitverkürzung die Beschäftigten glücklicher, gesünder und produktiver mache. „Deswegen muss eine Verkürzung der Arbeitszeit auch nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Vor allem nicht in Bereichen, die im Lohngefüge ohnehin unterbewertet sind.“ Heil hält  eine reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich grundsätzlich für eine geeignete Maßnahme, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigten. Die IG Metall sieht in einer Vier-Tage-Woche mit einem „gewissen Lohnausgleich“ eine Antwort auf den Strukturwandel wie in der Autoindustrie. Und auch SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat bereits Sympathie für eine 30-Stunden-Woche mit teilweisem Lohnausgleich geäußert – unter Beachtung der Tarifautonomie.

Der Vorschlag ist aber umstritten. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hält eine Vier-Tage-Woche für machbar - allerdings nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich. Und auch bei den Linken regt sich Widerstand.   Fraktionschef Dietmar Bartsch mahnte jüngst, für Millionen Menschen mit niedrigen Löhnen bedeute eine kürzere Arbeitszeit oft Abstieg und Armut. Denn mit der Arbeitszeit schrumpften in der Regel auch die Löhne.

(kd)