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Generationen-Barometer 2009: Viele Eltern wollen keine bescheidenen Kinder

Generationen-Barometer 2009 : Viele Eltern wollen keine bescheidenen Kinder

Berlin (RPO). Eltern legen bei der Erziehung ihrer Kinder weniger Wert auf Charaktereigenschaften wie Bescheidenheit und Zurückhaltung. Stattdessen fördern sie den eigenen Willen und Durchsetzungsvervögen bei ihren Sprösslingen. Dies geht aus der Studie Generationen-Barometer 2009 hervor, die Familenministerin Ursula von der Leyen vorstellte.

Berlin (RPO). Eltern legen bei der Erziehung ihrer Kinder weniger Wert auf Charaktereigenschaften wie Bescheidenheit und Zurückhaltung. Stattdessen fördern sie den eigenen Willen und Durchsetzungsvervögen bei ihren Sprösslingen. Dies geht aus der Studie Generationen-Barometer 2009 hervor, die Familenministerin Ursula von der Leyen vorstellte.

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte dazu, Familienleben in Deutschland sei mit Leben gefüllt und "kein krisengeschüttelter Sozialfall", wie oft behauptet. Für die repräsentative Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) wurden 2.222 Bürger ab 16 Jahren befragt. Auftraggeber war das Forum "Familie stark machen".

Neun von zehn Eltern gaben laut Untersuchung an, ihre Kinder sollten Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein lernen. Nur 42 Prozent sagten, sie hätten dies von ihren Eltern gelernt. Gut ebenso viele lernten von ihren Eltern, bescheiden und zurückhaltend zu sein. Doch nur 25 Prozent wollen das auch ihren Kindern vermitteln.

Auch wenn heute mehr Frauen berufstätig sind, sind zwei Drittel der Jugendlichen zufrieden mit der Zeit, die ihre Mutter für sie hatte. Bei den Senioren sind das nur rund ein Drittel. Die Mütter von heute nehmen sich trotz Berufstätigkeit mehr Zeit für ihre Kinder, folgert die Studie. Aber auch Väter haben den Wunsch, ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Jeder Zweite hat dieses Bedürfnis, aber nur jede fünfte Mutter, wie aus der Studie hervorgeht.

Von der Leyen: Vätermonate ausweiten

Familienministerin von der Leyen forderte deshalb, die nächste Bundesregierung müsse die sogenannten Vätermonate ausweiten. "Das ist ein Punkt, der in das nächste Regierungsprogramm gehören wird", sagte die Ministerin. Wie stark sie das Angebot für Väter im Fall einer erneuten Amtszeit als Ministerin ausweiten würde, sagte sie nicht. Bisher können Väter die Elternzeit um zwei Monate verlängern. In dieser Zeit beziehen sie 67 Prozent ihres Einkommens, aber höchstens 1.800 Euro, weiter.

Von der Leyen begrüßte auch die stärkere Kommunikation in der Familie und den Bedeutungsverlust von Gewalt in der Erziehung. Nur noch sieben Prozent der Jugendlichen haben eine Tracht Prügel bekommen, heutige Senioren erinnern sich an solche Erfahrungen zu 37 Prozent. Liebe und Zuneigung rücke an die Stelle von Gewalt, meinte von der Leyen. "Mit diesem Ideal sind wir auf einem guten Weg. Neue Herausforderung sind die neuen Medien als 'Miterzieher'." Schließlich seien die meisten Kinder im Umgang mit neuen Medien kompetenter als ihre Eltern.

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Fernseher und Computer als gefährliche "Miterzieher"

Wie die Forscher in der Studie herausfanden, sitzen die meisten 14- bis 17-Jährigen, die aus einfachen Verhältnissen stammen, pro Tag drei oder mehr Stunden vor dem Fernsehgerät oder dem Computer. Sogar ein Drittel der Eltern und Großeltern aus der gleichen sozialen Schicht sehen die Mattscheibe als guten Babysitter für Kleinkinder.

Im März hatte eine Umfrage im Auftrag des Forums Familie stark machen ergeben, dass mehr als die Hälfte der Deutschen glauben, Kinder seien schlechter erzogen als früher. Unter den Menschen über 60 Jahren glaubten dies besonders viele. Die meisten Befragten hielten Kinder für verwöhnter, gewalttätiger und egoistischer.

Das Forum Familie stark machen ist nach eigenen Angaben eine überparteiliche Aktionsplattform, die den Wert der Familie öffentlich unterstreichen will. Im Kuratorium sitzen neben von der Leyen auch Kirchenvertreter und der Verfassungsrichter Udo Di Fabio.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Ursula von der Leyen

(AP)