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Vereidigung Joe Biden: Deutschland begrüßt ausgestreckte Hand des Präsidenten

Reaktionen auf Amtseinführung : Berlin begrüßt Bidens ausgestreckte Hand – und schlägt ein

Die ersten deutschen Reaktionen auf die Rede des neuen US-Präsidenten zu seiner Amtseinführung sind überwiegend geprägt von Erleichterung, Begeisterung und Zuversicht - und nehmen auch Deutschland für die Wiederbelebung der Freundschaft in die Pflicht.

Mit großer Erleichterung hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf die Vereidigung von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten reagiert. „Wir freuen uns darauf, die USA als unverzichtbaren Partner in vielen Fragen künftig wieder an unserer Seite zu wissen“, sagte das deutsche Staatsoberhaupt in einer Video-Botschaft, in der Steinmeier unter anderem den Kampf gegen Corona, den Klimaschutz, Sicherheit und Rüstungskontrolle ansprach.

Bei aller Freude über die Amtseinführung erinnerte Steinmeier zugleich daran, dass Populismus „auch die mächtigste Demokratie der Welt verführt“ habe. Daraus folgerte der Bundespräsident: „Wir müssen der Polarisierung entschieden entgegentreten, den öffentlichen Raum unserer Demokratie schützen und stärken und Politik auf der Grundlage von Vernunft und Fakten gestalten.“ Zugleich hoffte Steinmeier, Biden und Harris bald in Deutschland begrüßen zu dürfen.

„Unsere Zukunft liegt in der Wiederherstellung der transatlantischen Freundschaft“, erklärte CDU-Chef Armin Laschet. Er erinnerte daran, dass amerikanische Soldaten bereits im Oktober 1944 seine Heimatstadt Aachen befreit hätten. Laschet twitterte seine Eindrücke von der Amtseinführung als „bewegende Bilder“. Leo O’Donovan, der vormalige Präsident der Georgetown-Universität, der ein versöhnendes Gebet vor der Vereidigung sprach, habe er vor 20 Jahren erstmals getroffen, zuletzt bei der Beerdigung von Helmut Kohl in Speyer, hielt Laschet fest.

Der am Samstag im Wettstreit um den CDU-Vorsitz unterlegene Transatlantiker Friedrich Merz hob hervor, dass mit der Amtseinführung Bidens Stil und Anstand ins Weiße Haus zurückgekehrt seien. „Die Demokratie in Amerika ist wieder ein Beispiel für die Welt“, sagte Merz unserer Redaktion. Er wünschte Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris Erfolg, und fügte hinzu: „für uns alle“.

Der ebenfalls gegen Laschet unterlegene Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen, sieht in der Präsidentschaft Bidens zusätzliche Aufgaben auf Europa zukommen. Nach vier schwierigen Jahren gebe es jetzt die große Chance, die transatlantischen Beziehungen mit neuem Leben zu füllen. „Dabei kommt es vor allem auf uns an“, unterstrich Röttgen. Biden sei Europa wohlgesonnen, werde aber vor allem innenpolitisch gefordert sein und sich außenpolitisch auf China konzentrieren. „Umso wichtiger ist es, dass Europa mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernimmt und sich um die Stabilität in seiner östlichen und südlichen Nachbarschaft kümmert“, sagte Röttgen unserer Redaktion. Die Europäer sollten nicht auf Vorschläge aus den USA warten, sondern sich selbst mit Initiativen beim globalen Klimaschutz und im Umgang mit China einbringen, erklärte Röttgen.

Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung und CDU-Abgeordnete Peter Beyer hob hervor, dass Biden in seiner ersten Rede als US-Präsident „den westlichen Demokratien die Hand gereicht“ habe. „Die USA wollen ihre Bündnisse reparieren und sich wieder in der Welt engagieren – das war ziemlich deutlich“, lautete Beyers Wertung. „Jetzt ist es an uns, diese Chance zu ergreifen“, betonte der Amerika-Beauftragte. Aus seiner Sicht heiße das: „Wir Europäer müssen endlich aus dem weltpolitischen Märchenschlaf aufwachen.“ Beyer sprach sich dafür aus, dass die Europäer „größer denken und ein starkes Bündnis auf Augenhöhe mit den Nordamerikanern schmieden“. Es gebe jetzt ein Zeitfenster, in dem nach dem tiefen Schock der Trump-Jahre das transatlantische Verhältnis bei den Themen Handel und Sicherheit, Klima und Gesundheit, Wissenschaft und Technologie ein großes Stück nach vorne gebracht werden könne.