Zwischen Soja-Hack und Erbsenproteinen Ein Besuch im rein veganen Rewe-Supermarkt in Berlin

Berlin · In Berlin-Friedrichshain hat der erste Supermarkt mit rein pflanzlichem Sortiment eröffnet. Wir haben uns zwischen Seitan-Gyros, veganer Wurst und einigen Schaulustigen umgesehen.

In Berlin-Friedrichshain hat die erste Rewe-Filiale mit ausschließlich veganem Sortiment eröffnet.

In Berlin-Friedrichshain hat die erste Rewe-Filiale mit ausschließlich veganem Sortiment eröffnet.

Foto: Philip Zeitner

Es gibt ein paar Hinweise, dass es sich bei dem neuen Supermarkt an der Warschauer Straße nicht nur um eine weitere herkömmliche Filiale von Rewe in der Bundeshauptstadt handelt. Da wären zum einen die zahlreichen Passanten, die vor dem eigentlich recht unscheinbaren Gebäude stehen bleiben und ein schnelles Foto von sich oder Freunden machen, das Logo der Kette im Hintergrund. Manche lassen sich sogar dabei filmen, wie sie das Geschäft betreten. Zum anderen ist da das genannte Logo, das grün erstrahlt, statt im üblichen rot. “Voll pflanzlich“ steht darunter, und das ist es auch, was diesen Supermarkt so besonders macht.

In diesem Geschäft im Berliner Stadtteil Friedrichshain gibt es keine Produkte, für deren Herstellung Tiere benötigt werden. In den Auslagen und Kühltruhen liegen keine Steaks, keine Mettbrötchen, kein Schnitzel und keine Kuhmilch. Was für den bayerischen CSU-Chef Markus Söder nach der Wahrwerdung eines besonders grausamen Berlin-Albtraums klingen mag, dürfte in der Hauptstadt – in der laut Söder „Wokeness“ regiert – eigentlich kaum jemanden zu mehr als einem Schulterzucken bewegen. Doch die Fotos knipsenden Passanten sprechen eine andere Sprache. Auch die Tatsache, dass die ehemalige Regierende Bürgermeisterin und jetzige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey das Geschäft miteröffnete. In Berlin lässt sich damit möglicherweise bei den Wählern punkten. Nach Angaben des Unternehmens ist die vegane Filiale in Berlin die erste dieser Art – von mehr als 3800 Standorten bundesweit.

Wer durch die Eingangstür geht, steht dennoch zunächst in einem absolut gewöhnlichen Supermarkt, auch wenn die vorherrschende grün-gelbe Farbkombination etwas gewöhnungsbedürftig ist. Es gibt einen Stapel mit Einkaufskörben – diese hier sind grün – und direkt dahinter beginnt die Obst- und Gemüse-Abteilung. Das Geschäft ist ziemlich klein und so drängt es sich gegen Mittag ein wenig. Die Einkaufenden sehen dabei nach einem sehr gemischten Publikum aus. Hemden, Blusen und Sakkos von denen, die sich in der Mittagspause ein Mittagessen kaufen, treffen auf eher alternativ bis punkig gekleidete Menschen jeden Alters.

Nach eigenen Angaben werden in dem Supermarkt 2700 vegane Produkte angeboten. Dazu zählen neben Lebensmitteln auch Kosmetikprodukte und solche des alltäglichen Bedarfs wie Klopapier.

Vor dem Kühlregal, in dem man in anderen Supermärkten wohl Fleisch und Aufschnitt erwarten würde, hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Die Besucher suchen allerdings nicht nach der Lieblingswurst, sondern bestaunen die Vielfalt des Angebots. „Leute, guckt mal“, ruft eine junge Frau und zeigt auf die veganen Fleischersatzprodukte, die reihenweise in den Kühlregalen stehen: Seitan-Gyros, Soja-Hack und Steaks auf Basis von Erbsenproteinen in verschiedensten Marinaden und Geschmacksrichtungen. Für Personen, die sich vegan ernähren, ist es sicherlich ein ungewöhnliches Erlebnis, dass alles benötigte in dieser Menge vorhanden ist. Und vor allem, dass alles vegan ist und nicht umständlich nachgeschaut werden muss, ob nicht möglicherweise doch etwas tierisches in den Produkten ist. Die junge Frau bestätigt das: „Das ist so genial! Du kannst einfach alles mitnehmen.“

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