Familienmonitor 2010 des Allensbach-Instituts: Väter wollen mehr Zeit für ihre Kinder

Familienmonitor 2010 des Allensbach-Instituts : Väter wollen mehr Zeit für ihre Kinder

Berlin (RPO). Väter würden gerne mehr für ihre Kinder da sein: 60 Prozent haben den Wunsch, dafür ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Das ergab der am Dienstag in Berlin vom Bundesfamilienministerium vorgestellte Monitor Familienleben, den das Institut für Demoskopie Allensbach erhob.

"Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können", sagte Bundesministerin Kristina Schröder.

Um die eigenen Kinder zu betreuen, haben der Untersuchung zufolge 84 Prozent aller Mütter unter 45 Jahren schon einmal ihre Berufstätigkeit unterbrochen. Bei Vätern waren es lediglich zehn Prozent, was im Vergleich zu früher jedoch beachtlich sei, meinte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. Mehr als 70 Prozent der Väter, die nach der Geburt ihres Kindes ihre Arbeit unterbrochen haben, empfanden diese Elternzeit als Bereicherung.

Erziehung bleibe dennoch immer noch überwiegend Frauensache, sagte Köcher. Viele Betriebe sähen es nach Angaben der Befragten nicht gerne, wenn Väter Elternzeit nehmen. Häufig entstünden ihnen dadurch berufliche Nachteile. Zudem müssten sich Familien in der Zeit, wenn der Vater pausiert, meist finanziell stark einschränken.

Familie ist für die meisten am wichtigsten

Die dringlichen politischen Aufgaben würden zwar immer noch von der Wirtschaftskrise bestimmt. Dennoch ist die Familie der Studie zufolge für 78 Prozent der Bevölkerung weiterhin der wichtigste Lebensbereich. Schröder erklärte: "Mein Ziel ist deshalb, bessere Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen."

Dass eine gute Vereinbarkeit bisher nach wie vor schwierig sei, finden der Studie zufolge 63 Prozent der Deutschen. Bei Müttern von Kindern unter 18 Jahren seien sogar 72 Prozent unzufrieden, erklärte Köcher.

Schröder will sich deshalb für flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur einsetzen, die nach der Qualität geleisteter Arbeit und nicht nach der Präsenz der Mitarbeiter fragt. Bisher herrsche in den Unternehmen eine "familienfeindliche Präsenzkultur", sagte die Ministerin. Dabei sei derjenige, der wisse, dass er um Punkt 17 Uhr sein Kind von der Kita abholen müsse, oft die effizientere Arbeitskraft.

Um für mehr Familienbewusstsein in den Unternehmen zu werben, will das Ministerium im Oktober gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Initiative "Flexible Arbeitszeiten" starten.

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege schwierig

Köcher erklärte: "Neben einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf rückt bei der Bevölkerung auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege immer mehr ins Blickfeld." Diese Vereinbarkeit beurteilen 74 Prozent der Berufstätigen, die einen Pflegefall erwarten, als schwierig.

Schröder plant daher die Einführung einer Familienpflegezeit. Demnach können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über eine Zeitraum von maximal zwei Jahren auf 50 Prozent reduzieren, aber weiterhin ein Gehalt von 75 Prozent beziehen. Zum Ausgleich müssen sie später für Dreiviertel des Gehalts wieder voll arbeiten, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kristina Schröder - die frühere Familienministerin

(apd/nbe)
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