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Ursula von der Leyen plant Jobbörse für Soldaten

Von der Leyen plant Jobbörse für Soldaten : Die Bundeswehr umwirbt Eltern

Mehr Verlässlichkeit bei den Verwendungen und weniger Umzüge stehen im Mittelpunkt des Konzeptes für eine familienfreundliche Bundeswehr, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Juni vorlegen will.

Es war eine ihrer ersten Ankündigungen nach dem überraschenden Amtsantritt als neue Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen will die Bundeswehr familienfreundlicher machen. Ihr Konzept nimmt nun konkrete Konturen an; Anfang Juni will sie es vorlegen. Zunächst wird es ihr dem Vernehmen nach vor allem um organisatorische Verbesserungen gehen, durch die die Lebensplanung für Soldaten sicherer und die Zahl der Umzüge kleiner wird. Im Herbst legt sie dann noch einmal nach, um die Bundeswehr auch mit Umschichtungen von Geldern zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen.

Die Streitkräfte als Spiegel der Gesellschaft müssen deren Wandel in Teilen erst noch nachvollziehen. "Noch in den Anfangsjahren der Bundeswehr war es üblich, dass die Frau dem Mann folgt — heute sind in vielen Soldatenfamilien beide Partner berufstätig; dem muss die Truppe verstärkt Rechnung tragen", sagt Michaela Noll. Die Mettmanner CDU-Abgeordnete ist, wie die Ministerin, von der Familien- zur Verteidigungsexpertin geworden und bringt damit die Leitidee auf den Punkt. Der Ansatz der Ministerin: nicht mehr von den Bedürfnissen der Truppe her Verwendungen planen, sondern vom Wunsch junger Menschen nach Familienleben ausgehen.

Pendler-Stuben sollen wiederentstehen

"Bei Offizieren ist das sicherlich etwas anderes, aber Mannschaften und Unteroffiziere muss man nicht kreuz und quer durch die Republik schieben", erklärt SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Deshalb gehörten regionale Personalmodelle zwingend zum Konzept der familienfreundlichen Truppe.

Von der Leyen will darauf unter anderem mit einer Jobbörse eingehen. Wie aus Koalitionskreisen zu erfahren war, sollen auf diese Weise Soldaten sowohl nach fachlich am besten zu ihrer geplanten Karriere passenden als auch wohnortnah am besten mit ihrer Familie harmonierenden Dienstposten suchen können. Ähnliches verfolgen die Grünen: "Dienststellen sollen künftig im Ausschreibungsverfahren besetzt werden", fordert Verteidigungsexpertin Doris Wagner.

Für die Soldaten, die am Pendeln dann doch nicht vorbeikommen, müsse die Bundeswehr kostengünstige Unterkünfte unter der Woche bereithalten, unterstreicht Noll. Die im Zuge von Standortschließungen oft weggefallenen Pendler-Stuben sollen wiederentstehen — funktioniert das am jeweiligen Standort nicht, wird an Mietbeihilfen gedacht.

Eine "passgenaue Kinderbetreuung" hatte von der Leyen bereits vor Monaten angekündigt. Das Kita-Ausbauprogramm wird sie mit Nachdruck weiterverfolgen, zusätzlich aber auch die Zeiten aneinander anpassen: Kita-Öffnungszeiten und Arbeitszeiten flexibilisieren. So soll auch über Teilzeit- und Telearbeitsmodelle bei der Truppe entschieden werden.

Hinzuverdienstgrenze im Ruhestand soll wegfallen

Der Punkt gehört zu einer langen Liste, auf die sich die Verteidigungspolitiker von Union und SPD bereits verständigt haben. "Es wird höchste Zeit, die Neuausrichtung mit einem nachhaltigen Attraktivitätsprogramm zu begleiten", halten Arnold und sein Unionskollege Henning Otte unmissverständlich fest. Auf Deutsch: freie Bahn auch für Umschichtungen im Bundeswehretat.

Nach diesem Attraktivitätsprogramm soll es künftig für Überstunden eine "konkurrenzfähige Vergütung" geben, die Wohnungsfürsorge soll optimiert und für Soldaten in der Familienphase ein Kontingent an zusätzlichen Dienstposten geschaffen werden. Scheiden Zeit- oder Berufssoldaten beim Bund aus, sollen sie ihre Versorgungsanwartschaften mitnehmen können.

Das gehört jedoch schon zu den Absichten, die von der Leyen nur mit Hilfe ihres Vorgängers, des jetzigen Innenministers Thomas de Maizière und ihrer Nachfolgerin als Arbeitsministerin, Andrea Nahles, umsetzen kann. Zum Paket für die attraktivere Truppe, das im Herbst konkretisiert wird, gehört auch eine weitere Flexibilisierung: Für Berufssoldaten im Ruhestand soll die Hinzuverdienstgrenze fallen.

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(may-)