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Unternehmen: Ökonomen begrüßen Frauenquote

Unternehmen : Ökonomen begrüßen Frauenquote

Am Freitagabend hatte sich die große Koalition grundsätzlich auf eine verbindliche Frauenquote für Vorstände geeinigt. Firmen müssen künftig eine Frau im Vorstand haben. Den Grünen ist das zu wenig.

Die Einigung der großen Koalition auf eine Frauenquote sorgt für Debatten. Sogar das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) begrüßte die Pläne. „Es kann angesichts des überschaubaren Fortschritts bei der Berufung von Frauen in Vorstände nicht verwundern, dass die Politik strenger vorgeht und sich nicht mehr auf Selbstverpflichtungen verlassen will“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. „Zwar ist eine Quote immer starr und irgendwie kein besonders cleveres Instrument, aber wenn die cleveren Lösungen nur Ausreden waren, darf man sich nicht wundern.“

Am Freitagabend hatte sich die große Koalition grundsätzlich auf eine verbindliche Frauenquote für Vorstände geeinigt. In Vorständen von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, in denen es mehr als drei Vorstände gibt, muss künftig mindestens ein Mitglied eine Frau sein. Unternehmen, an denen der Bund mehrheitlich beteiligt ist, müssen dafür sorgen, dass mindestens 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate und ein Teil der Vorstandsposten an Frauen gehen. Bei Körperschaften des öffentlichen Rechts wie den Krankenkassen soll ebenfalls eine Mindestbeteiligung eingeführt werden. Hier soll künftig sogar gelten: Ab zwei Vorständen eine Frau, so Unions-Fraktionsvize Nadine Schön.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) forderte die Unternehmen auf, die Quote nun auch ernst zu nehmen. „Anstatt sich noch länger gegen mehr Frauen im Top-Management zu wehren, wäre es doch jetzt klug, den Schalter im Kopf umzulegen und einfach mal anzufangen“, sagte sie unserer Redaktion. „Keinem Mann wird sein Vorstandsposten weggenommen. Bei der nächsten anstehenden Besetzung ist dann aber eine geeignete Frau dran. Das kann nicht so schwer sein.“ Es gebe viele qualifizierte Frauen, sie müssten nur gesucht und gefunden werden. Dass mehr Verbindlichkeit die Entwicklung verändere, habe man bei den Aufsichtsräten gesehen, so Giffey. Hier gibt es bereits eine Frauenquote. Sie betonte weiter: „Reine Männerclubs sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Das machen uns andere Länder längst vor."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) unterstützt die Einigung. Es sei heute nicht mehr vermittelbar, dass es Vorstände gebe, in denen keine Frau vertreten sei, sagte Altmaier dem „Deutschlandfunk“. Den Grünen und der Linkspartei wiederum gehen die Pläne nicht weit genug. „Leider kann das, was SPD und Union jetzt vollmundig als Quote für Vorstände ankündigen, höchstens als Mindestbeteiligung bezeichnet werden, mehr ist es nicht“, erklärte Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Die AfD kritisierte hingegen, die Quote stelle erfolgreiche Frauen unter Generalverdacht, ihre beruflichen Ziele anders nicht erreichen zu können.

Die Koalition soll über den Kompromiss in der nächsten Woche abschließend entscheiden, am 6. Januar soll das Kabinett ihm zustimmen. Der Bundesrat ist nicht befasst.