1. Politik
  2. Deutschland

Familienpolitik im Fokus: Union will Vätermonate ausweiten

Familienpolitik im Fokus : Union will Vätermonate ausweiten

Junge Väter sollen sich nach der Geburt eines Kindes künftig noch länger um ihr Baby kümmern können. In der Union wächst die Zahl der Befürworter, die die Vätermonate ausdehnen wollen. Die CSU setzt auf eine Verlängerung der Elternzeit insgesamt.

Sogar Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will es: eine Babypause einlegen, wenn im Sommer seine Frau Judy Witten ihr erstes Kind zur Welt bringt. Drei Wochen will sich der Minister gönnen und nicht ins Büro gehen, wie er der "Welt" sagte. Richtig Elternzeit könne er weder als Abgeordneter noch als Minister nehmen.

"Wir müssen den finanziellen Schonraum für die Babyzeit, der durch das Elterngeld auf ein Jahr verkürzt wurde, wieder ausweiten und dabei den Trend zur partnerschaftlichen Teilung der Elternzeit verstärken, wie das in den skandinavischen Ländern gang und gäbe ist", sagte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU). "Der beste Schritt wäre, sobald wie möglich das Elterngeld von 14 auf 18 Monate zu verlängern und dabei vier statt zwei Partnermonate vorzusehen", erklärte sie. Die CSU-Politikerin forderte auch, dieser Punkt gehöre ins gemeinsame Unionswahlprogramm, "wenn wir moderne Familienpolitik fortsetzen wollen".

Auch Arbeitsministerin und CDU-Vize-Parteichefin Ursula von der Leyen, die als Familienministerin das Elterngeld und die Vätermonate eingeführt hatte, wünscht sich eine Reform. "Ich persönlich bin der Meinung, dass wir beim Elterngeld einen dritten Vatermonat brauchen", sagte sie gestern bei einer Veranstaltung unter dem Titel "Spitzenfrauen fragen Spitzenkandidaten". Die Bundesministerin sieht allerdings keinen finanziellen Spielraum, die Elternzeit insgesamt auszuweiten.

Die Ausweitung der Vätermonate beim Elterngeld, dessen Zahldauer aber nicht verlängert werden solle, könne Müttern helfen, früher in den Beruf zurückzukehren, sagte sie. Die Arbeitsministerin will die Erwerbstätigkeit von Frauen insgesamt steigern. Jede zweite Frau in Deutschland arbeite nur Teilzeit. Beim Arbeitsvolumen, das Frauen in Teilzeit leisteten, sei Deutschland mit nur 18 Wochenstunden im EU-Vergleich weit unten. Von der Leyen forderte daher neben dem dritten Vatermonat auch ein gesetzliches Rückkehrrecht von einem Teilzeit- auf einen Vollzeitjob. Diese Forderung werde in das CDU-Wahlprogramm einfließen.

Das Elterngeld war 2007 von der großen Koalition eingeführt worden. Derzeit können Mütter und Väter nach der Geburt ihres Kindes bis zu 14 Monate Elterngeld erhalten. Gezahlt werden je nach Höhe des Einkommens zwischen 65 und 67 Prozent des vorherigen Netto-Gehalts. Der Mindestbetrag liegt bei 300, der Höchstbetrag bei 1800 Euro.

Die volle Zeit der 14 Monate Elterngeldzahlung können Elternpaare nur dann in Anspruch nehmen, wenn beide Partner mindestens zwei Monate nehmen. In den meisten Familien beantragen die Mütter rund ein Jahr Elterngeld, während die Väter nur wenig über die gesetzliche Mindestzahl von zwei Monaten hinausgehen. Im Durchschnitt liegt die Dauer der Väterzeit bei 3,3 Monaten, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen.

Finanzpolitiker ächzen

Den Finanzpolitikern in der Union ist das Elterngeld ein Dorn im Auge. Die Ausgaben steigen von unter vier Milliarden Euro im Jahr 2007 auf voraussichtlich 4,9 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Immer wieder gab es Debatten, das Elterngeld zu kürzen beziehungsweise abzuschaffen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) musste in ihrer Amtszeit eine kleine Kürzung von 67 auf 65 Prozent Lohnersatz für die etwas höheren Einkommen hinnehmen.

Auch sie ist eine Anhängerin von mehr Vätermonaten. Mit dem Versuch, diese auszuweiten, ist sie allerdings im Jahr 2011 am Veto des Finanzministers gescheitert.

Die Ursache für die steigenden Kosten des Elterngeldes liegt vor allem in der gestiegenen Zahl der Väter, die eine Auszeit nehmen. Wegen der nach wie vor höheren Gehälter der Männer liegt bei ihnen auch der Anspruch auf Elterngeld höher. Rund 71 Prozent der Mütter und Väter in Elternzeit erhalten einen monatlichen Betrag von 1000 Euro oder weniger. Den Höchstbetrag von 1800 Euro bekommen nur rund sechs Prozent der Eltern. Bei den Männern sind es immerhin knapp 17 Prozent, die den Höchstsatz von 1800 Euro in Anspruch nehmen können. Von den Müttern sind es nur 3,4 Prozent.

Hier geht es zur Infostrecke: Neun Tipps zu Elterngeld und Elternzeit

(RP/felt)