Ministerin Schavan könnte Doktortitel verlieren: Uni Düsseldorf: Das Verfahren ist ergebnisoffen

Ministerin Schavan könnte Doktortitel verlieren : Uni Düsseldorf: Das Verfahren ist ergebnisoffen

Die Universität Düsseldorf hat die Weichen gestellt, um der Bundesbildungsministerin den Doktortitel abzuerkennen. Annette Schavan will aber weiter um Doktor-Würde und Amt kämpfen. Die Unterstützung ihrer Partei hat sie – vorerst.

Die Universität Düsseldorf hat die Weichen gestellt, um der Bundesbildungsministerin den Doktortitel abzuerkennen. Annette Schavan will aber weiter um Doktor-Würde und Amt kämpfen. Die Unterstützung ihrer Partei hat sie — vorerst.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) muss weiter um ihren Doktortitel bangen. Der zuständige Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschloss nach sechsstündiger Beratung mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung, das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dem Gremium gehören Professoren, Mitarbeiter und Studierende an. Damit folgte der Fakultätsrat einer Empfehlung des Promotionsausschusses.

Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, verwies darauf, dass aus Sicht der Universität keine Vorentscheidung gefallen sei. "Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Verfahren ergebnisoffen ist", sagte er.

Wenn die Universität Anzeichen für ein wissenschaftliches Fehlverhalten habe, müsse sie dem "konsequent und unabhängig von Person und Position" nachgehen, sagte Bleckmann. Die Fakultät habe zu überprüfen, ob der Doktortitel zu Recht verliehen wurde. Dabei werde der Rat sowohl die vorinstanzliche Untersuchung der Promotionskommission als auch die Stellungnahme der Bildungsministerin einbeziehen, erklärte Bleckmann.

Nächste Sitzung 5. Februar

Am 5. Februar wird der Fakultätsrat abermals zusammenkommen und über den Fortgang des Verfahrens beraten. Ein Ergebnis wird zu diesem Datum noch nicht erwartet. Zur Frage, wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, machte die Universität keine Angaben.

Seit einem Dreivierteljahr sieht sich Schavan mit den Vorwürfen konfrontiert, sie habe bei ihrer Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 getäuscht. Auf einer Internetplattform war anonym der Vorwurf erhoben worden, sie habe bei ihrer Dissertation abgeschrieben. Die Ministerin selbst bat die Universität Düsseldorf ihre Arbeit zu überprüfen. Als der "Spiegel" im Oktober das Ergebnis des Gutachters Stefan Rohrbacher veröffentlichte, der eine "leitende Täuschungsabsicht" bei Schavan feststellte, begann die mit harten Bandagen geführte öffentliche Auseinandersetzung zwischen der Universität und der Ministerin.

Nachdem aus der Welt der Wissenschaft viel Kritik an dem Gutachten Rohrbachers laut geworden war, gab es Mutmaßungen, dass die Vorwürfe gegen Schavan dahingehend entschärft werden sollten, dass ihr nur noch fehlerhaftes Zitieren zur Last gelegt wird. Bleckmann äußerte sich nach der Sitzung des Fakultätsrats gestern allerdings nicht inhaltlich zu dem Verfahren. Die Kritiker bemängelten vor allem, der Gutachter habe nicht berücksichtigt, dass vor 30 Jahren die wissenschaftlichen Maßstäbe, was das Zitieren von Quellen und Sekundärliteratur betreffe, anders gewesen seien als heute. Insgesamt erhielt Schavan reichlich Rückendeckung von anderen Wissenschaftlern.

Schavan gibt sich gelassen

Während der Fakultätsrat am Dienstag tagte, demonstrierte Schavan selbst Gelassenheit. Sie verfolgte im Bundestag die Feierstunde zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags zwischen Deutschland und Frankreich. Sie verkniff es sich sogar, Nachrichten auf dem Handy oder dem iPad zu überprüfen. Schavan ist bemüht, so viel Normalität wie möglich zu zeigen. Sie will trotz der Entscheidung, das Verfahren gegen sie einzuleiten, im Amt bleiben. Die Ministerin signalisierte bereits, dass sie auch bereit sei, juristisch gegen die Aberkennung des Doktortitels vorzugehen.

Gerade plant die CDU-Politikerin eine weitere Legislaturperiode im Bundestag. An diesem Freitag will sie sich in Ulm von ihrem CDU-Kreisverband erneut für die Bundestagswahl im Herbst aufstellen lassen. Ihr Heimatverband steht hinter ihr — die Kandidatenkür gilt deshalb als sicher.

Nach Informationen unserer Redaktion will auch die CDU-Spitze an Schavan festhalten, solange die öffentliche Debatte über ihre Dissertation für die Partei im Wahlkampf nicht schädlich verläuft. So gilt auch die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Verfahrenseröffnung als wichtiger Indikator für das politische Überleben der Ministerin.

(RP/felt/csi)