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Leser- und Pressereaktionen auf Wulff-Erklärung: "Und jetzt? Das war es?"

Leser- und Pressereaktionen auf Wulff-Erklärung : "Und jetzt? Das war es?"

Die Erklärung vom Donnerstag kam überraschend. Nach tagelanger Diskussion um Christian Wulff und seinen Privatkredit äußerte sich der Bundespräsident erstmals selbst und warb bei den Bürgern um Vertrauen.

Bei unseren Lesern kam die Rede nicht wirklich positiv an - ebenso wie bei der Presse. Doch es gibt auch unterstützende Meinungen.

Das war nicht gradlinig, und das tut mir leid" - mit diesen Worten nahm Christian Wulff am Donnerstagnachmittag im Großen Saal des Schloss Bellevue Stellung zu den Vowürfen der vergangenen Tage. Zuvor hatte er seinen Sprecher entlassen. Warum, dazu sagte Wulff nichts. Er fügte hinzu: "Und ich will und werde meinen Beitrag dazu leisten, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Dafür bitte ich die Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig um ihr Vertrauen."

Doch das Vertrauen in den Präsidenten ist angeknackst, wie an den Reaktionen unserer Leser zu sehen ist. So schreibt Ralf Horbach auf unserer Facebook-Seite: "Ich bin kein Freund von unserem Bundespräsidenten. Und ich denke, dass ein Mensch in diesem Amt irgendwo auch eine Vorbildfunktion hat. Aber man möge mir einen Politiker zeigen, der sich nicht irgendwie aufgrund seines Position einen Vorteil verschafft hat. Es ist eine Mär zu glauben, es gäbe Politiker, die ihren Job aus reinem Idealismus betreiben."

"Sein Verhalten ist nicht zu entschuldigen"

Michael Ropertz äußerte sich ebenfalls auf Facebook: "Und jetzt? Das war es? Ich nehme die Entschuldigung nicht an. Lächerlich", schreibt er. Und Roland Schweins bemerkt: "Berufliches und Privates stets getrennt - so ein Quatsch. Gibt man jemandem 500.000 Euro, wenn er kein Amt bekleidet?"

Ähnliche Meinungen gibt es auch in unseren Leserkommentaren. Zum Beispiel beim User Gneisenau. Er schreibt: "Wenn man wirklich Schaden vom Amt des Bundespräsidenten abwenden will, dann beendet man jetzt nicht die Diskussionen und Schnüffeleien. Vielmehr muss Herrn Wulff nachdrücklich klar gemacht werden, dass er zu gehen hat. Aber das wird wohl nicht passieren."

User Isemo merkt an: "Er kann um Entschuldigung bitten. Aber sein Verhalten ist nicht zu entschuldigen. Es ist dafür zu spät." User derLandbote wird mit seinem Kommentar noch deutlicher. Er schreibt: "Erweisen Sie uns bitte wenigstens einen einzigen guten Dienst in Ihrer Amtszeit, Herr Wulff. Treten Sie zurück!"

Die Tageszeitungen haben sich in ihren Kommentaren ebenfalls ausführlich mit der Erklärung des Präsidenten beschäftigt. Und nur wenige lassen ein gutes Haar an Christian Wulff. Für die "Frankfurter Neue Presse" etwa ist er "zweifellos ein geknickter Präsident", an dem es nun wesentlich selbst liege, ob er sich wieder aufrichten kann. "Die Welt" sieht vor allem das Amt des Bundespräsidenten beschädigt und bemerkt: " Christian Wulff hat nicht heilen können, was er heilen wollte. Das ist schade - für ihn, für uns, für den Staat."

"Bier ist eben Bier und Schnaps ist Schnaps!"

Auch die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" schaut vor allem auf das Amt an sich und die Folgen der Affäre für dieses. Dort heißt es: "Mit der öffentlichen Erklärung hat er sich die Chance auf Rehabilitierung erarbeitet. Nun muss er sie aber nutzen. Denn andernfalls würde auch das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, das eine von innerer Erosion bedrohte Gesellschaft mehr denn je benötigt."

Allerdings hatte erst kürzlich eine Umfrage ergeben, dass zwei Drittel der Deutschen einen Rücktritt Wulffs ablehnen. Und so gibt es in den Kommentaren unserer Leser den einen oder anderen, der den Bundespräsidenten verteidigt. So schreibt etwa Isabell Kremser auf unserer Facebook-Seite: "Das alle immer so ein Drama machen müssen! Er ist auch nur ein Mensch." Dirk Kuepper bemerkt: "Warum sollte er gehen? Bier ist ebend Bier und Schnaps ist Schnaps! Also Privat nicht gleich Beruf. So einfach ist das in Deutschland."

Und User NikoMil äußert sich mit den Worten: "Beim Lesen einiger Kommentare frage ich mich, ob einigen Leuten überhaupt klar ist, dass auch ein Bundespräsident ein Mensch ist. Das bedeutet, er hat ein Recht auf Privatsphäre und ist eben nicht unfehlbar. Mal ehrlich kann denn überhaupt irgendein Mensch von sich oder anderen behaupten unfehlbar zu sein? Auch Politiker machen Fehler und das ist in Ordnung."

Hier geht es zur Infostrecke: Pressestimmen zur Wulff-Erklärung

(das)