Umwelthilfe kritisiert Beschlüsse des „Autogipfels“ als SUV-Förderprogramm

Höhere Kaufprämien für E-Autos : Umwelthilfe kritisiert Beschlüsse des „Autogipfels“ als SUV-Förderprogramm

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hat die Beschlüsse des „Autogipfels“ im Kanzleramt kritisiert. Er beklagt zudem drastische Schwächen bei der Bahn-Elektrifizierung.

Am späten Montagabend haben sich die Bundesregierung und die Autoindustrie auf eine höhere Kaufprämie für Elektroautos und mehr Ladestationen geeinigt. Die Beschlüsse des sogenannten Autogipfels im Kanzleramt sollen Hybrid- und Elektroautos zum Durchbruch auf dem Massenmarkt verhelfen. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, übt daran jedoch scharfe Kritik.

„Noch in diesem Monat sollen ausgerechnet schwere Verbrenner-SUVs mit kleinem elektrischen Zusatzmotor mit bis zu 4.500 Euro nicht nur als Neuwagen, sondern sogar als Gebraucht-Pkw gefördert werden“, sagte Resch unserer Redaktion. Wenn es darum gehe, der Automobilindustrie erneut Milliarden Euro an Steuermitteln zuzuschieben, lege die Bundesregierung damit den Turbogang ein. „Reine Elektro-Pkw werden mit gerade eben 5.000 bis 6.000 Euro nur minimal höher bezuschusst“, sagte Resch. Er nannte ein Modell von BMW als Beispiel: „Der beladen 3,15 Tonnen schwere und mit einem 6-Zylinder-Benzin Motor mit knapp 300 PS hochmotorisierte BMW X5 liegt mit kleinem Zusatz-Elektromotor als Hybrid-Variante ganze 200 Euro oberhalb der Netto-Fördergrenze von 65.000 Euro Basis-Listenpreis.“ Es sei davon auszugehen, dass die Autobauer sich nun jedes neue SUV-Modell mit 4000 bis 5000 Euro auch noch vom Staat fördern ließen, indem sie einen Placebo-Elektromotor in den Antriebsstrang einbauten, so der DUH-Chef.

Er forderte stattdessen mehr Anstrengungen bei der Elektrifizierung der Bahn. „Wenn es dieser Bundesregierung wirklich um die Förderung der Elektromobilität ginge, würde sie mit sofortiger Wirkung und ebenfalls im November beginnend die Elektrifizierung der Schienentrassen hochfahren“, sagte Resch. Noch nie sei so viel von Elektrifizierung im Mobilitätssektor gesprochen und gleichzeitig so wenig für die Elektrifizierung der Bahnstrecken getan worden. „Bleibt es beim aktuellen Tempo dieser Dekade von 0,2 Prozent der Gesamtstrecke pro Jahr, dann dauert es noch 200 Jahre, bis wir den Stand der Elektrifizierung der Schweizer Schienenstrecken erreicht haben“, sagte Resch.

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