Gefährliche UV-Strahlung während der Fußball-EM „Halb Deutschland riskiert einen Sonnenbrand“

Interview | Berlin · Viele Fans zieht es während der Fußball-EM nach draußen. Das kann gefährlich für die Haut sein. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz zeigt, ein großer Teil schützt sich nicht genug. Präsidentin Inge Paulini sagt, was man beachten sollte.

 Kinder spielen auf dem Kunstrasen vor dem Brandenburger Tor. Oft wird beim Sport der Sonnenschutz vergessen.

Kinder spielen auf dem Kunstrasen vor dem Brandenburger Tor. Oft wird beim Sport der Sonnenschutz vergessen.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Frau Paulini, Millionen Menschen verfolgen hierzulande die Spiele der Fußball-EM, und das häufig im Freien wie etwa auf den Fanmeilen. Wie hoch ist das Sonnenbrandrisiko?

Paulini Grundsätzlich ist die Intensität der UV-Strahlung im Juni und Juli, also in der EM-Zeit, besonders hoch. Wir haben aber auch schon in den vergangenen Wochen zum Teil sehr hohe UV-Belastungen gehabt. Das eigene Risiko hängt dabei unter anderem vom UV-Index ab. Er zeigt an, wie intensiv die UV-Strahlung gerade ist, auf einer Skala von 1 bis 11 und höher.

Ab wann wird es kritisch?

Paulini Ab einem Wert von 3 ist Sonnenschutz notwendig. Wenn mittags zum Beispiel Werte um die 6 erreicht werden, gilt „vermeiden, bekleiden, Sonnencreme nutzen“, um das Risiko gering zu halten. Am Vormittag und am Nachmittag kann es oft ebenfalls ratsam sein, lange Kleidung zu tragen und sich einzucremen.

Gibt es bei der UV-Belastung Unterschiede zwischen München, Hamburg, Düsseldorf oder Berlin?

Paulini Die UV-Belastung kann variieren. Denn sie hängt von vielen Faktoren ab: vom Wetter, vom Breitengrad, vom Sonnenstand, von der Höhenlage oder auch davon, wie viel Strahlung reflektiert wird, ob es also in der Nähe Wasser oder helle Flächen gibt. Aber selbst bei leichter Bewölkung und wenn die Sonne nicht so stark scheint, kann es erhebliche UV-Strahlung geben.

Woran merkt man, dass die Belastung hoch ist?

Paulini Das können wir nicht selbst spüren oder sehen. Deshalb raten wir allen, den aktuellen UV-Index zu beachten. Auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz lässt sich die UV-Belastung auch für die zehn Austragungsstädte der EM ablesen. Außerdem gibt es dort Prognosen für verschiedene Regionen in Deutschland für die nächsten drei Tage.

Die meisten von uns sind mit Werbekampagnen gegen Hautkrebs aufgewachsen. Ist uns das Risiko durch UV-Strahlen nicht ohnehin schon längst bewusst?

Paulini Die Menschen widmen sich eher dem Sonnenschutz, wenn sie an Urlaub und Strand denken. Eine von uns in Auftrag gegebene aktuelle Forsa-Umfrage hat gezeigt: Halb Deutschland riskiert einen Sonnenbrand. Zwar ist 96 Prozent der Befragten bekannt, dass UV-Strahlung krebserregend ist. Trotzdem haben 49 Prozent einen oder sogar mehrere Sonnenbrände pro Jahr. Bei Menschen zwischen 18 und 49 Jahren kommt das häufiger vor als bei den Älteren. Diese Ergebnisse zeigen: Obwohl das Bewusstsein da ist, schützen sich die Menschen nicht genug.

Sie sagen, beim Urlaub schützen wir uns besser. Wie sieht es bei Events im Freien aus?

Paulini Während sich 80 Prozent der Befragten auf Urlaubsreisen häufig vor der Sonne schützen, sind es bei öffentlichen Veranstaltungen im Freien nur 42 Prozent. Bei Sport im Freien sind es mit vier von zehn Befragten sogar noch etwas weniger.

Ist die Belastung beim Sonnenbaden größer als beim Joggen?

Paulini Die Frage ist vielmehr: Wie viel UV-Strahlung trifft auf die Haut und verbrennt sie? Allein darauf kommt es an.

Die Regel, die Haut mit Kleidung zu bedecken, kennt man eher aus den Tropen. Ist das in Deutschland wirklich nötig?

Paulini Ja. Diese Regel ist auch in Deutschland schon vor vielen Jahren richtig gewesen. Nur Sonnenmilch zu nutzen, reicht nicht immer aus. Wichtig ist es auch, UV-Belastung zu vermeiden. Die Menschen sollten sich also fragen: Wie organisiere ich meinen Tagesablauf, wann gehe ich joggen, um intensive UV-Belastung zu vermeiden? Wenn man mittags bei starker Belastung im Freien sein muss, dann sollte die richtige Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille getragen werden. Schutz vor UV-Strahlung ist außerdem nicht nur ein Thema für den Sommer, sondern für das ganze Jahr.

Wie häufig sollte man sich eincremen?

Paulini Viel hilft viel: Nötig ist ein hoher Schutzfaktor und dass man Sonnenmilch mehrmals dick aufträgt. Möchte man den ganzen Körper eincremen, braucht es etwa vier gehäufte Esslöffel, für das Gesicht mit Ohren, Hals und Nacken so viel Sonnencreme, wie auf zwei Finger passt. Wir als Bundesamt für Strahlenschutz haben in den EM-Fanmeilen daher Sonnenmilch-Spender aufgestellt mit Informationsmaterial. Die Gastgeberstädte sorgen außerdem dafür, dass es in den Fan-Zonen mehr Schattenwege gibt.

Mangelt es uns nicht irgendwann an Vitamin D, wenn wir kaum noch Sonne an die Haut lassen?

Paulini Untersuchungen zeigen, dass es im Sommer nur eine sehr kurze Zeit braucht, damit ausreichend Vitamin D gebildet wird. Schon 10 bis 15 Minuten Sonne am Tag können reichen. Insofern müssen gesunde hellhäutige Menschen vor einem Mangel durch die Schutzmaßnahmen keine Angst haben.

Hat sich die UV-Belastung in den vergangenen Jahren geändert?

Paulini Wir wissen, dass die Zahl der Sonnenstunden zugenommen hat. Wegen des Klimawandels haben wir heute mehr Situationen, die wir früher eher im Urlaub im Süden hatten. Was wir auch sehen: Die Zahl der Neuerkrankungen an Hautkrebs verdoppelt sich alle 10 bis 15 Jahre.