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Umfrage zum Medienkonsum der Brger: Jeder Vierte misstraut den Medien

Neue Umfrage zum Medienkonsum der Bürger : Jeder Vierte misstraut den Medien

Jeder Vierte in Deutschland geht davon aus, dass Politik und Medien bei der journalistischen Berichterstattung „unter einer Decke“ stecken. Das geht aus einer repräsentativen Befragung bei knapp 1100 Bürgerinnen und Bürgern im August und September 2020 durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum hervor.

Demnach werden traditionelle Medien wie öffentliche-rechtliche Sender und Tageszeitungen von allen Altersklassen zwar weiterhin am häufigsten genutzt und als glaubwürdiger eingeschätzt als die sozialen Medien. Doch gerade bei jungen Menschen spielen Plattformen wie Youtube eine immer größere Rolle. Deutlich werde in der Umfrage, dass Nutzer von Youtube und Telegram eher zu Verschwörungsglauben neigten, so das IW.

Ein Blick auf zwei Verschwörungserzählungen, die genutzt werden, um die allgemeine Empfänglichkeit für Verschwörungsglauben in der Bevölkerung zu messen, zeige, dass gut ein Viertel der Befragten der Aussage „Die Politik und die Medien stecken unter einer Decke“ eher (15 Prozent) oder voll und ganz (elf Prozent) zustimmen, heißt es in der Studie. Eine ähnlich hohe Zustimmung (23 Prozent) finde auch die Aussage: „Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.“

Vergleiche man diese Werte mit einer nicht-repräsentativen deutschlandweiten Befragung von Ende März, so zeige sich, dass der Glaube, es gäbe geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, mit anhaltender Pandemie von acht auf 23 Prozent gestiegen sei.

Knapp 70 Prozent der Unter-30-Jährigen geben in der Umfrage an, die Internet-Plattform Youtube zu nutzen, um sich politisch zu informieren. Damit landet Youtube nach dem persönlichen Gespräch, dem überregionalen öffentlichen Radio und Fernsehen und der Lokalzeitung in dieser Altersgruppe auf dem vierten Platz. Youtube nimmt damit für die junge Bevölkerung einen höheren Stellenwert ein als lokales Fernsehen oder Radio sowie überregionale Zeitungen.

Überregionale und lokale Zeitungen würden verstärkt von Menschen mit höheren Einkommen genutzt, heißt es in der Studie. Bei einer Unterscheidung nach Geschlecht zeige sich, dass Männer häufiger angeben, Twitter, Telegram und auch Youtube zu nutzen. Der größte Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland zeige sich bei Facebook. In Ostdeutschland nutzten gut 56 Prozent der Befragten dieses Medium, in Westdeutschland seien es knapp 49 Prozent.

Wer ausschließlich Online-Plattformen nutze, werde davon immer stärker beeinflusst, so die Forscher. Vor allem junge Menschen müssten besser darin geschult werden, Quellen kritisch zu überprüfen. Die Plattformen müssten Quellen unbedingt transparenter machen, fordern die Forscher. „Eine zentrale Herausforderung ist es, besonders die Aktivitäten auf Telegram, welches das Ausweichmedium für die Verbreitung von extremistischen Inhalten geworden ist, zu kontrollieren und einzuschränken“, so die Studie.