Umfrage über die CDU-Nachfolge: Friedrich Merz , Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

Umfrage um die Merkel-Nachfolge: Merz und Kramp-Karrenbauer bei Kanzlerfrage fast gleichauf

Zurzeit richten sich die Augen im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz vor allem auf Kramp-Karrenbauer und Merz. Doch noch sind es gut vier Wochen bis zum Wahlparteitag. Da kann noch einiges passieren.

Im Rennen um den CDU-Vorsitz umwirbt der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz besonders neue Abgeordnete. Hier hat er Nachholbedarf, weil viele von ihnen Merz in seiner aktiven Zeit im Bundestag nicht mehr erlebt haben. Der 62-Jährige traf sich deshalb am Donnerstag in Berlin mit mehr als 50 Parlamentariern. Das Gespräch hatte der Mannheimer Abgeordnete und frühere baden-württembergische Chef der Jungen Union, Nikolas Löbel, organisiert.

Neben Merz bewerben sich auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und eine Reihe weithin unbekannter Kandidaten um die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze. Die Kanzlerin hatte nach den schweren Verlusten für die Union bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen ihren Rückzug vom Vorsitz beim Parteitag in Hamburg Anfang Dezember angekündigt.

Etwa gleich viele Bürger würden nach einer Umfrage Merz und Kramp-Karrenbauer eine erfolgreiche Kanzlerschaft zutrauen. 36 Prozent könnten sich am ehesten Merz als Bundeskanzler vorstellen, knapp dahinter liegt Kramp-Karrenbauer mit 33 Prozent, so die Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe.

Gegen die beiden Bewerber sprachen sich jedoch noch mehr Befragte aus. 46 Prozent lehnen Merz im Kanzleramt ab, Kramp-Karrenbauer 48 Prozent. Spahn sehen nur 17 Prozent im Kanzleramt, 65 Prozent eher nicht. Es gilt als wahrscheinlich, dass der oder die neue CDU-Vorsitzende bei der nächsten Bundestagswahl auch als Kanzlerkandidat antritt. Merkel will bis zum Ende der Wahlperiode Kanzlerin bleiben, aber nicht noch einmal kandidieren.

Noch vor den geplanten Regionalkonferenzen der CDU wollen sich Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz am Freitagnachmittag beim Vorstand der Frauen-Union in Berlin vorstellen. Die Frauen-Union hat sich mehr oder weniger bereits für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen. Die Regionalkonferenzen, bei denen sich die Kandidaten der Basis präsentieren wollen, sollen in der kommenden Woche starten.

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Kramp-Karrenbauer sagte am Mittwochabend in den ARD-„Tagesthemen“: „Im Moment ist es ein offenes Rennen.“ Sie kritisierte die Debattenkultur in ihrer Partei. Auf die Frage, ob die Parteispitze zu sehr von oben herab regiert habe, betonte sie: „In der Tat war es insbesondere in den letzten Jahren häufig so, dass Entscheidungen als Regierung getroffen wurden und die Debatte in der Partei nachlaufend stattgefunden hat.“ Die Mitglieder der CDU wollten, dass sich das ändert.

Wenn es so käme, dass sie die Wahl zum Parteivorsitz verlieren und wie angekündigt ihren Posten als CDU-Generalsekretär aufgeben würde, dann würde sie sich weiter ehrenamtlich in der CDU engagieren, sagte die 56-Jährige. „Zuerst einmal eine kleine Denkpause einlegen und dann weitersehen.“

Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben sieht für Spahn im Rennen um den Bundesvorsitz schon keine Chance mehr. „Es ist ja kein Geheimnis, dass momentan Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer besonders im Fokus stehen, und ich höre in Gesprächen, einer der beiden wird es wohl werden“, sagte Senftleben der „Märkischen Allgemeinen“.

Der Europaausschuss-Vorsitzende Gunther Krichbaum (CDU) kündigte im Interview mit unserer Redaktion: „Ich werde Merz unterstützen, weil er auch außenpolitisch sehr beschlagen ist.“ Merz sei „in Richtung USA bestens vernetzt“. Dies werde auch nach den jüngsten Wahlen „wichtiger denn je“.

(özi/dpa)
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