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Gauck: "Ostdeutsche sind wie Untertanen": Umfrage: Ossis sind undankbar und träge

Gauck: "Ostdeutsche sind wie Untertanen" : Umfrage: Ossis sind undankbar und träge

Braunschweig (rpo). Der frühere Leiter der Stasiunterlagen-Behörde, Joachim Gauck, vertritt die Ansicht, dass sich die Ostdeutschen zu sehr auf den Staat verlassen. "Sie konnten sich nicht an den Status eines Bürgers gewöhnen, sie erwarten zu viel von denen da oben - wie ein Untertan", sagte Gauck. Laut einer Umfrage hält überdies jeder dritte Wessi die Ossis für undankbar und träge.

Gauck erklärte der "Braunschweiger Zeitung" weiter, die Menschen im Osten Deutschlands hätten "nie trainieren können, was es bedeutet, ein Bürger zu sein". Man müsse im Osten Deutschlands "uralt sein, um eine Republik, eine Demokratie erlebt zu haben". Deshalb sei es außerordentlich schwer für die Menschen, ja zur Freiheit und zur eigenen Verantwortung zu sagen.

Eine Teilnahme an den Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform "Hartz IV" schloss Gauck aus. "Ich werde ganz sicher nicht mitmarschieren", sagte er. Zwar habe er Verständnis für Menschen, die für ihre Interessen demonstrierten. Die Gemengelage der Organisatoren sage ihm aber nicht zu. Den Begriff Montags-Demonstrationen kritisierte Gauck als "falsches Etikett". 1989 hätten Deutsche eine Revolution erfolgreich abgeschlossen. "Heute handelt es sich um Opposition gegen Regierungspolitik", sagt er.

Umfrage: Ossis sind undankbar

Jeder dritte Westdeutsche hält die Ostdeutschen für undankbar. Weitere 35 Prozent meinen, die meisten Ossis seien zu träge und würden wenig Eigeninitiative entwickeln, wie eine am Freitag von der "Welt" veröffentlichte Emnid-Umfrage ergab. Rund 43 Prozent der 1.001 befragten Westdeutschen äußerten die Ansicht, ihre Landsleute im Osten nähmen zu wenig Rücksicht auf die Sorgen und Nöte der Westdeutschen.

Wie die Umfrage weiter ergab, sind 46 Prozent allerdings der Auffassung, die Mehrheit der Ostdeutschen sei sich sehr wohl der Anstrengungen bewusst, die die Westdeutschen in den vergangenen 15 Jahren für die Einheit unternommen hätten. Ebenso ist der Untersuchung zufolge fast die Hälfte der Westdeutschen (49 Prozent) überzeugt, dass die Bewohner der neuen Bundesländer das Beste aus der Situation nach der Wende gemacht hätten.

Zu viele Transferleistungen aus dem Westen

Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) ist den Angaben zufolge der Meinung, dass die neuen Bundesländer zu viel Transferleistungen aus dem Westen bekommen. Die jährlich 80 Milliarden Euro Solidaritätsbeitrag empfanden 35 Prozent als angemessen, vier Prozent hielten es für zu wenig.

Immerhin 35 Prozent der Westdeutschen ist vor dem Hintergrund der Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV der Ansicht, die Ostdeutschen hätten Grund, sich über ihre gegenwärtige Situation zu beklagen.

(afp)