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Ukraine: OSZE-Beobachter sicher in Berlin-Tegel gelandet

Nach acht Tagen Geiselhaft : OSZE-Beobachter sicher in Berlin-Tegel gelandet

Die gut eine Woche lang in der Ostukraine festgehaltenen OSZE-Militärbeobachter sind am Samstagabend auf dem Berliner Flughafen Tegel gelandet. Das Inspektorenteam, darunter vier Deutsche, waren am Vormittag von ihren pro-russischen Geiselnehmern auf freien Fuß gesetzt worden.

Dem Team gehörten auch ein Tscheche, ein Däne und ein Pole an. Fünf Ukrainer, die das Inspektorenteam begleiteten, wurden den Angaben zufolge von der Bundeswehr nach Kiew gebracht. Ein kranker Schwede war schon vor einigen Tagen freigekommen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) empfing das Team zusammen mit den Verteidigungsministern aus Tschechien und Dänemark sowie Regierungsvertretern aus Polen und Schweden. Nach ihrem Eintreffen in Berlin stiegen die befreiten Militärbeobachter in einen Bus, um ihre Familien zu treffen. Danach war eine Begegnung mit der Presse geplant.

Der Leiter des Teams, der deutsche Oberst Axel Schneider, hat sich erleichtert über das Ende der Geiselnahme in der Ostukraine geäußert. "Von uns fällt im Moment ein beträchtlicher Druck", sagte Schneider am Samstag in Kiew. "Die Anspannung war enorm", berichtete er in einer vom Verteidigungsministerium verbreiteten Erklärung. "Wir sind sehr froh, sehr glücklich, aber auch beträchtlich erschöpft."

Prorussische Separatisten in Slawjansk hatten das OSZE-Team acht Tage lang in ihrer Gewalt. Schneider berichtete, in den vergangenen Tagen habe es für das OSZE-Team eine "ständig steigende Bedrohung" gegeben. Nach Beginn der Offensive von Regierungseinheiten gegen die prorussischen Separatisten "kam sprichwörtlich das Feuer von Handwaffen und von Artillerie immer näher. Und wir waren hier zur Untätigkeit verurteilt". Der Zusammenhalt im OSZE-Team sei "ausgesprochen diszipliniert" gewesen. "Das hat uns durch die Tage gebracht."

"Fühlten uns in Gefahr"

Einer der freigelassenen Militärbeobachter hat sich während seiner Gefangenschaft mehrfach in Gefahr gefühlt. Es sei schwer zu sagen, wann die Bedrohung am größten gewesen sei, sagte Major Krzysztof Kobielski vor Journalisten in Donezk, wie im polnischen Fernsehsender TVN24 ausgestrahlte Äußerungen zeigten. "Aber drei Mal gab es eine reale Gefahr."

Kobielski machte in Donezk keine Angaben dazu, ob die von ihm genannte Gefahr auch von den prorussischen Geiselnehmern ausging. Er ging nur auf einen Vorfall ein, als die ukrainische Armee die von den Separatisten gehaltene Stadt angriff. "Als geschossen wurde, habe wir nicht mehr gesprochen, wir blieben auf dem Boden liegen", sagte er. "Um uns herum gab es hundert Männer, die mit Messern, Pistolen und automatischen Waffen bewaffnet waren."

Über die Bedingungen der Haft wollte der Major nicht sprechen. "Meistens waren wir von Informationen abgeschnitten, wir wussten nicht, was um uns herum vor sich ging. Wir hatten keinen Zugang zu Internet oder Fernsehen." Kobielski sagte dazu, es sei "schwer, sich als eingeladen zu fühlen, wenn man die ganze Zeit zur Bewachung Bewaffnete um sich hat".

Kobielski lobte die Rolle des deutschen Chefs der Beobachtergruppe. Oberst Axel Schneider habe die Gruppenmitglieder immer wieder aufgefordert, miteinander zu sprechen, sagte er. "Wir haben uns darüber ausgetauscht, was mit uns und um uns herum passiert. Es gab auch Einzelgespräche. Wir haben uns gegenseitig unterstützt."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Freigelassene OSZE-Militärbeobachter in Berlin gelandet

(dpa/AFP)