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Neuer Shitstorm auf Heidenheimer Politiker: Twitter-Eintrag sorgt für Wirbel bei Piraten

Neuer Shitstorm auf Heidenheimer Politiker : Twitter-Eintrag sorgt für Wirbel bei Piraten

Sie wurden bejubelt für ihren kometenhaften Aufstieg. Nun gibt es neuen Wirbel um die Piraten - zumindest bei Twitter. Denn dort hatte ein frisch gewählter Kreisvorsitzender antisemitische Äußerungen getätigt.

"Ok. ich bin also Antisemit, weil ich die israelische Kackpolitik und den Juden an sich unsympatisch finde, weil er einen sinnlosen Krieg führt?" Es war dieser eine Satz, der den Heidenheimer Piraten Kevin Barth in Bedrängnis brachte und bei Twitter eine Welle der Entrüstung auslöste.

Mittlerweile ist der Satz, den der 22-Jährige am 23. Januar twitterte, gelöscht, doch vor allem am Dienstag war das Thema unter dem Hashtag #kevingate heiß diskutiert. Der gerade erst am Sonntag zum Kreisvorsitzenden von Heidenheim gewählte Pirat musste eine Flut an Tweeds über sich ergehen lassen.

"Der Jude an sich??? So wie der Deutsche an sich?", wird da etwa gefragt. Ein anderer User schreibt: "Kevingate zeigt, dass diese Studie, die 20% Antisemitismus in der Bevölkerung ergab, leider wohl zu keinem übertriebenen Ergebnis kam." Und wieder ein anderer fragt süffisant: "Kennst du eigentlich dieses Internet? Das ist, wo ganz viele alles lesen und löschen nix bringt."

"Ich bin kein Antisemit"

Barth selbst hatte sich in zahlreichen Tweets versucht zu rechtfertigen. So schrieb er etwa: "Ich habe totalen Mist geschrieben. Das tut mir leid. Ich würde gern weiterhin Pirat bleiben und auch Kreisvorsitzender:" An anderer Stelle heißt es: "Ich bin kein Antisemit. Ich werde es auch nie sein." Oder auch: "Ich bin an ein Thema ohne fundiertes Wissen."

Auch betonte er mehrfach, dass er nicht zurücktreten wolle, schreibt schließlich: "Ich möchte mich für meine Wortwahl, meine Tweets und meine Blogposts entschuldigen." Doch der Shitstorm auf sein Profil wollte einfach nicht enden. Die Konsequenz daraus folgte schließlich in der Nacht: Barth trat als Kreisvorsitzender zurück.

Auf der Seite der Piraten in Baden-Württemberg heißt es dazu: "Infolge der heftigen Kritik innerhalb und außerhalb der Piratenpartei ist er noch Dienstagnacht von seinem Amt zurückgetreten. Wir stellen hiermit ausdrücklich klar, dass Antisemitismus, Rassismus und sonstiges radikales Gedankengut weder in der Piratenpartei noch generell in einer Demokratie einen Platz haben."

"Unerfahrener junger Mann"

Wie ein Lauffeuer hatte sich der Rücktritt auch bei Twitter verbreitet. Geklärt ist das Thema für viele damit aber noch nicht. Noch immer wird "Kevingate" diskutiert. So schreibt ein User: "Wer Kevingate als 'Skandälchen' bezeichnet, hat nichts verstanden." Ein anderer User findet es schade, dass der Rücktritt so schnell gekommen sei, denn so würden die Piraten um die Israel-Debatte herumkommen.

Auf der Webseite der Piraten gab es aber auch Lob für die schnelle Reaktion der Partei. Eine Kommentatorin sieht das aber ganz anders: Sie nennt sich Irene Barth und sagt, sie wäre die Mutter von Kevin Barth. "Leute, ich bin entsetzt", schreibt sie.

"Mein Sohn ist weder ein Radikaler noch ein Antisemit." Außerdem sei die "Hexenjagd" auf ihn doch total überzogen, weil er sich als 22-jähriger noch sehr "unerfahrener junger Mann" nun nun für seine Äußerungen rechtfertigen müsse. Ein paar Stunden später allerdings distanziert sich die Userin deutlich von Barths Aussagen - und stellte sich selbst für das Amt der Nachfolgerin zur Verfügung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Piraten entern das Berliner Abgeordnetenhaus

(das)