TV-Show im ZDF: Markus Lanz vergleicht Linken-Chefin mit Donald Trump

Katja Kipping kontert Markus Lanz : „Jetzt werden Sie aber uncharmant“

Enteignungen, Mietprobleme, Rechtsextremismus - Katja Kipping will bei Markus Lanz in Ruhe über Inhalte diskutieren. Aber dann vergleicht er die Linken-Chefin mit dem US-Präsidenten. Die jedoch reagiert souverän.

Katja Kipping hatte am Abend im ZDF gerade so schön ausgeholt und ihr Parteiprogramm gelobt - da vergleicht Gastgeber Markus Lanz die Linke-Parteichefin mit Donald Trump. “Jetzt werden sie aber uncharmant”, kontert Katja Kipping erbost. Dann fängt sie sich wieder und pariert: “Ist das eine Kritik an meiner Frisur?”

Zuvor hatten die beiden deutlich harmonischer diskutiert. Die Linken-Bundesvorsitzende ging auf die Bedrohung durch Rechtsextreme ein und zeigte vor allem für Politiker in den Gemeinden Verständnis. Dass 40 Prozent aller Kommunalpolitiker schon bedroht worden seien, findet sie erschreckend. Sie selbst erhalte regelmäßig Drohungen. Aber als Bundestagsabgeordnete sei sie “in einer recht privilegierten Situation.” In den Kommunen kenne jeder jeden, wer da von rechts bedroht werde, sei in “einer verdammt schwierigen Situation.” Gefährlich sei, wenn Anzeigen nicht ernst genommen würden, weil es in Behörden “heimliche Sympathie” gebe. Kipping fordert unabhängige Ermittlungsstellen, auch um die Verwicklung der Sicherheitsbehörden in die Szene auszuschließen.

Dann muss sich die Linkenchefin der Zukunft der eigenen Partei widmen. Der Wahlausgang Ende Mai sei “ein echter Schock gewesen”, gibt sie zu. Sie habe sich anschließend gefragt. wo die Partei “falsch abgebogen” sei. Geschadet habe der Linken das Image der Unentschlossenheit zu Europa, glaubt sie, ebenso der öffentlich ausgetragene Streit um Sara Wagenknecht.

Journalistin Elisabeth Niejahr von der Wirtschaftswoche, die bei Markus Lanz neben Kipping sitzt, hat eine andere Begründung für die schwachen Ergebnisse: “Die Linke hat ihre Rolle als Protestpartei an die AfD verloren.” Im Osten könne man zudem auf Wahlkampfveranstaltungen beobachten, wie der Partei ein Teil der klassischen Klientel wegsterbe. “Und als ‘Kümmerpartei’ wird sie nicht mehr wahrgenommen.”

Von einer Fusion ihrer Partei mit der SPD, wie sie Markus Lanz vorschlägt, will Kipping allerdings nichts wissen. “Schlagkräftiger sind wir in getrennten Parteien”, sagt sie. Die Linke werde aber gerne gemeinsam mit der SPD, Grünen und anderen progressiven Kräften für eine andere Mehrheit streiten. Mit Kevin Kühnert mache sie gerne Bündnisse, sagt Kipping und freut sich, dass auch dank ihm Themen wie Mietpreisbremse und Enteignungen „endlich diskutiert“ würden.

Wenn es großen Immobilienkonzernen an den Kragen gehe, sei das ein Schritt in die richtige Richtung. Auch Enteignungen könne sie sich vorstellen. "Konzerne müssen mit allen staatlichen Mittel bekämpft werden", sagt Kipping, wenn sie Wohnbestände aufkauften und Mieten künstlich in die Höhe trieben. Erreichbar für Fragen der Mieter seien diese Besitzer auch nie. ”Früher gab es Mietnomaden. Heute gibt es Vermietnomaden."

“Wir sagen ja nicht dass alle Wohnungen in VEBs zurück geführt werden sollen”, reagiert sie auf Lanz’ Einwände. “Die kleinen Vermieter müssen da keine Angst haben”, sagt sie, die seien es ja nicht, die die Preise in die Höhe trieben. Aber Deutschland brauche dringend Lösungen für das Wohnraumproblem.

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