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Trumps Einreisebeschränkungen: Deutsch-Iraner können nicht in die USA fliegen

Einreisebeschränkungen für Deutsch-Iraner : "Für Trump bin ich ein Terrorverdächtiger"

Urlaub, Familienbesuch oder Studium: Auch für viele Menschen in Deutschland ist das nach den verschärften Einreisebestimmungen von Donald Trump nicht mehr möglich. Der Düsseldorfer Reza Amini hat Familie in den USA, auf einen Besuch dort muss er vorläufig verzichten.

Viele von Aminis Verwandten aus dem Iran flohen vor Unterdrückung und Verfolgung Ende der 1970er in die USA. Sie suchten Frieden, Freiheit und Sicherheit. Er selbst ist 1976 in Teheran geboren, kam 1982 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland. Seither hat er sein ganzes Leben hier verbracht, so wie seine Tanten, Onkels und Cousinen seither immer in den USA gelebt haben. Besuchen kann er sie nun aber nicht mehr: Denn Reza ist Deutsch-Iraner, Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter. Er besitzt sowohl den deutschen als auch den iranischen Pass.

Ein Fakt, der ihn nun in den Augen des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu Sicherheitsgefahr macht. Amini (40) ist Sozialarbeiter, der Düsseldorfer wollte seine Familie in den USA eigentlich spätestens im kommenden Jahr besuchen. "Eigentlich", sagt Amini. "Das fällt nun aus." Ihm ist das Risiko zu groß, dass er bei der Einreise festgesetzt wird.

Ähnliches muss nicht nur Amini befürchten, auch bekannte Politiker, Kulturschaffende und Sportler mit Pässen aus den betroffenen Ländern wird die Einreise verweigert, darunter dem Schriftsteller Navid Kermani, der lange als Nachfolger für Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt wurde. Zu ihm gesellen sich die iranisch-deutsche Schauspielerin Jasmin Tabatabai und der ebenfalls iranisch-stämmige Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour, der sich für die deutsch-amerikansche Parlamentariergruppe engagiert. Der britische Spitzensportler Mo Farah, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren wurde, kritisierte auf Facebook Trumps Einreise-Dekret.

"Das stimmt schon traurig und nachdenklich", sagt Amini. Bislang war die Einreise in die USA für ihn ohne Probleme möglich. "Trump stellt Rassen unter Generalverdacht, ich gelte in seinen Augen als Terrorverdächtiger." Das Paradoxe: Amini hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nie länger als drei Monate im Iran aufgehalten. "Ich würde sonst sofort für den Kriegsdienst eingezogen", sagt Amini. Und er wurde christlich erzogen, sein Vater ist kein strenggläubiger Muslim. Amini passt also gar nicht in das Bild eines islamistischen Terroristen, die Trump mit seinem Dekret fernhalten will.

Aus der Sicht der Iranischen Gemeinde in Deutschland ist das Trump-Dekret zum Reiseverbot eindeutig diskriminierend und verstößt gegen demokratische Grundprinzipien. "Vielen ist nicht bewusst, wie weitreichend die Einreisebeschränkungen sind", sagt Ehsan Djafari von Iranischen Gemeinde Deutschland. Natürlich reicht es schon, dass Menschen aus dem Iran, Irak, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien nicht einreisen dürfen, aber darüber hinaus betrifft das Dekret auch Menschen aus Österreich, Deutschland und Großbritannien, die ihre Wurzeln in einem dieser überwiegend muslimischen Länder haben.

"Meine Kinder sind Halb-Iraner und Halb-Deutsche. Sie werden Schwierigkeiten haben, in den USA zu studieren", sagt Djafari. Dabei hätten seine Kinder überhaupt nichts mit dem Iran zu tun. Nur das Land erlaube es nicht, die Staatsbürgerschaft abzulegen. Der iranische Staat behandelt Menschen, die ihre Staatsbürgerschaft zurückgeben wollen, wie Abtrünnige. Außerdem wird die Staatsangehörigkeit über den Vater vererbt. Daher gibt es in Deutschland viele Deutsch-Iraner mit doppelter Staatsbürgerschaft. "Wer als Iraner geboren wird, stirbt auch als Iraner", sagt Djafari.

Der Vorsitzende der Iranischen Gemeinde in Deutschland hat — wie auch Amini — nahe Verwandte in den USA. Er hatte für den Sommer eine Reise geplant, aber glücklicherweise noch nichts gebucht, auch wenn das Verbot erst einmal nur 90 Tage dauert, wie er sagt. Auch er hat die doppelte Staatsbürgerschaft.

Aminis Verwandte aus den USA sind genauso betroffen wie der Düsseldorfer. Sie leben über das ganze Land verstreut in Washington D.C., Seattle und Californien. Sie haben eine Greencard. "Sie sind jetzt auch verängstigt und trauen sich nicht auszureisen." Aminis Verwandte müssen befürchten, dass sie dann nicht wieder einreisen könnten. "Trump ist auf dem Weg in die autoritäre Herrschaft."

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(heif)