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Ukraine-Konflikt: Trotz Waffenruhe - Gefechte in der Ostukraine

Ukraine-Konflikt : Trotz Waffenruhe - Gefechte in der Ostukraine

Auch nach dem Start der Feuerpause am Freitag wird in der Ostukraine vereinzelt geschossen. Dennoch betonen die Ukraine und Russland: "Im Großen und Ganzen" wird die Vereinbarung respektiert. Meldungen über Explosionen und Bombardements nähren jedoch Zweifel daran.

Die Feuerpause in der Ostukraine zeigt offenbar weitere Risse. Aus der Nähe von Mariupol meldeten Augenzeugen am späten Samstagabend anhaltend heftige Explosionen. Zudem berichtete die ukrainische Freiwilligenmiliz Bataillon Asow, ihre Stellungen seien mit Raketen beschossen worden. Weitere Details lagen zunächst nicht vor.

Unweit der strategisch wichtigen Hafenstadt halten Regierungstruppen Verteidigungslinien gegen prorussische Rebellen, die in der Region am Asowschen Meer kürzlich eine neue Front eröffnet hatten.

Nach mehr als vier Monaten der Gewalt hatten die Regierung in Kiew und die Separatisten aber erst am Freitag einen Waffenstillstand vereinbart. Zwar warfen sich die ukrainische Armee und die Rebellen in den ersten 24 Stunden danach einzelne Verstöße vor. Dennoch sahen Präsident Petro Poroschenko und sein russischer Kollege Wladimir Putin die Feuerpause nach einem Telefonat als weitgehend eingehalten an.

Man habe Schritte besprochen, um "dem Waffenstillstand einen stabileren Charakter zu geben", sagte Poroschenko weiter. In einer eigenen Erklärung des Kreml hieß es: "Es herrschte Zufriedenheit auf beiden Seiten, dass die Konfliktparteien die Vereinbarungen zum Waffenstillstand weitgehend beachten."

Gegenseitige Vorwürfe nähren Zweifel an Feuerpause

Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sieht das in Minsk erzielte Abkommen den Abzug aller schweren Waffen, die Freilassung aller Gefangenen und die Bereitstellung von Hilfsgütern für die zerstörten Städte in der Ostukraine vor.

Doch eine Mitteilung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz nährte Zweifel an der Tragfähigkeit der Einigung. Mitarbeiter hätten Lebensmittel in das seit Wochen von Gefechten erschütterte Luhansk zu liefern versucht, seien jedoch nach Schüssen im Nordosten der Stadt wieder umgekehrt, teilte die Organisation über Twitter mit. Weitere Details nannte sie zunächst nicht.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Andrej Lyssenko, sagte zudem, die Rebellen hätten nach Inkrafttreten der Feuerpause zehn Mal auf die ukrainischen Kräfte geschossen. Die Vorfälle hätten sich am Freitagabend ereignet. Der Donzezker Rebellenführer Alexander Sachartschenko sagte seinerseits nach einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti, der Waffenstillstand sei durch zwei Beschüsse auf die Stadt Amwrosiiwka, 50 Kilometer südöstlich von Donezk, verletzt worden.

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Lyssenko betonte, die ukrainischen Kräfte hielten sich streng an die Vereinbarung. Womöglich hätten die Rebellen das ukrainische Militär aber zum Schießen provoziert. Offiziell hatte die ukrainische Nationalgarde am frühen Samstagmorgen mitgeteilt, es habe keinen Bruch der Vereinbarung gegeben, weder von ukrainischer Seite noch von Seite der prorussischen Separatisten.

Russland warnt EU vor weiteren Sanktionen

Die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Separatisten hatten Mitte April begonnen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass dabei fast 2600 Menschen ums Leben kamen. Mindestens 340 000 Menschen sind geflüchtet. Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Aufständischen mit Waffen und Soldaten zu unterstützen.

Die EU bereitet deshalb weitere Wirtschaftssanktionen gegen Moskau vor, die unter anderem Russland den Zugang zu den Kapitalmärkten sowie den Handel mit Waffen und Militärtechnologien erschweren sollen.

Russlands Außenministerium kündigte am Samstag an, man werde auf weitere Strafmaßnahmen sicher reagieren. Im August hatte Moskau ein Importverbot für Fleisch, Obst und Gemüse aus der Europäischen Union, den USA und einigen anderen Staaten erklärt, die Sanktionen gegen Russland verhängt hatten.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten skeptisch auf den Waffenstillstand reagiert. Merkel brachte aber zugleich eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ins Spiel, falls "bestimmte Prozesse" in Gang kämen.

Moskau warf der Nato vor, sie nehme die Krise in der Ukraine zum Vorwand, um ihre Militärstrukturen näher an die russischen Grenzen zu rücken. Die Nato hatte am Freitag die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe beschlossen. Ihr sollen mehrere Tausend Soldaten angehören, die in Osteuropa stationiert und binnen weniger Tage eingesetzt werden können.

(ap)