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UN-Gipfel in Cancún: Trittin: Regierung "größten Klima-Bremser"

UN-Gipfel in Cancún : Trittin: Regierung "größten Klima-Bremser"

Cancún (RP). Mit wenig Enthusiasmus schauen Klimaforscher und Politiker nach Cancún in Mexiko, wo am Montag der Weltklimagipfel begann. Die USA und China haben sich nach Ansicht Washingtons aber in ihren Positionen angenähert. Die Grünen kritisierten derweil, dass die Kanzlerin nicht zu dem Gipfel gereist ist.

Angela Merkel schickte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach Cancún. Die Opposition rügt dieses Vorgehen scharf. "Europa, nach China und den USA drittgrößter Klimasünder, hat seine Vorreiterrolle verspielt, nicht zuletzt unter dem Einfluss Deutschlands", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin unserer Redaktion.

Merkel blockiere ein höheres EU-Reduktionsziel, schon zugesagte Entwicklungshilfemittel würden zu Klimaschutzgeldern umetikettiert. "Deutschland galt einmal als Vorreiter und Treiber der internationalen Klimaverhandlungen. Unter Merkel hat sich Deutschland zu einem der größten Bremser entwickelt", sagte der frühere Bundesumweltminister.

"Alle wissen, dass ein juristischer Vertrag jetzt nicht zu erreichen ist", sagte der Chefunterhändler der US-Regierung, Todd Stern. Stern sagte, Vverbindliche Reduktionsziele für die weltweiten Treibhausgas-Emissionen werde es nicht geben, nur kleinere Abkommen über Hilfen für Entwicklungsländer und den Schutz der Regenwälder.

Doch die USA und China näherten sich offenbar an. Dies sagte US-Chefunterhändler Jonathan Pershing am Montag (Ortszeit) in Cancún. Vertreter beider Seiten hätten in den vergangenen Monaten hart gearbeitet und verhandelt, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. "Ich habe den Eindruck, dass wir vorangekommen sind", sagte Pershing. "Ich glaube, dass wir hier nur zu einem Erfolg kommen, wenn unsere beiden Länder zu einer Einigung gelangen."

Kampf um CO2-Reduktionen

Die 194 Staaten, die noch bis zum 10. Dezember konferieren, vertun damit bis zum nächsten Gipfel 2011 in Südafrika wertvolle Zeit: Ende 2012 wird das geltende Kyoto-Protokoll auslaufen, in dem sich die Industrieländer verpflichtet haben, ihre CO2-Emissionen um gut fünf Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Eine verbindliche Regelung für die Zeit nach 2012 wäre dringend nötig, denn die Erderwärmung schreitet fast ungehindert fort.

Erst letzte Woche legte die Welt-Meteorologen-Organisation offen, dass die von Forschern definierte Schwelle zu einem gefährlichen Klimawandel im Jahr 2050 erreicht sein wird. Bis dahin werde die Durchschnittstemperatur um deutlich mehr als zwei Grad steigen. Klimaforscher hatten den Industriestaaten nahegelegt, bis 2050 ihre Emissionen um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, um das Zwei-Grad-Ziel einhalten zu können.

Doch davon ist die Welt weit entfernt. Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen: China, mittlerweile weltgrößter Emittent, will seine Wachstumsziele nicht aufgeben und verweist darauf, dass die "alten" Industrieländer für den Großteil der bestehenden Verschmutzung verantwortlich sind. Und US-Präsident Barack Obama kann seine Klimaschutzziele gegen die Republikaner im Senat nicht durchsetzen, von denen viele der Meinung sind, die Erderwärmung habe mit dem Menschen nichts zu tun.

(RP/AFP/das)