München: Tomatenattacke auf Dobrindt

München : Tomatenattacke auf Dobrindt

München (RPO). Die Haare voller Tomatensaft, der Anzug mit Ei bekleckert: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt musste einiges aushalten, als er sich am Freitag den wütenden Gegnern einer dritten Start- und Landebahn für den Münchner Flughafen stellte. Mit Trillerpfeifen und immer wiederkehrenden "Lügenpack"-Rufen hatten ihn die gut 300 Demonstranten vor der CSU-Landeszentrale in München empfangen.

Ein Demonstrant zerdrückte eine Tomate auf seinem Kopf, ein anderer warf ein Ei auf ihn. Auch kopierte 200-Euro-Scheine, die ursprünglich zum symbolischen "Rausschmeißen" gedacht waren, landeten nun zu hunderten auf dem Politiker. Dieser hatte seinen Sommerurlaub verschoben, um die Argumente der Demonstranten vor Ort anzuhören.

Zwtl.: Totengräber tragen Freising zu Grabe

Am Abend zuvor hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) das Aktionsbündnis AufgeMUCkt, in dem sich rund 70 Initiativen gegen den Startbahn-Bau zusammengeschlossen haben, telefonisch für September zu einem Gespräch in die Staatskanzlei eingeladen. Dieses Angebot schlug Bündnis-Sprecher Hartmut Binner nun öffentlich aus. Bei dem Angebot handle es sich nur um "Staffage und Beruhigungsversuche". Man wolle nicht das "persönliche Feigenblatt des Ministerpräsidenten" sein.

Trotz der Aufkündigung des Dialogs betonte Dobrindt im Anschluss, man wolle sich "auf Augenhöhe mit dem Aktionsbündnis besprechen". "Unsere Hand ist ausgestreckt", sagte er. Die Angriffe mit Ei und Tomate solle man nicht überbewerten. Die Veranstaltung sei im Rahmen dessen verlaufen, was "vollkommen in Ordnung" sei, sagte Dobrindt gefasst. Binner hatte sich bei ihm für die Angriffe entschuldigt.

Zu Beginn der Demonstration trugen fünf als Totengräber verkleidete Männer die "Kulturstadt Freising" zu Grabe. Um den Hals trugen sie Schilder mit den Namen der aus ihrer Sicht Verantwortlichen, unter ihnen neben Seehofer auch Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU).

Unter die Demonstranten mischten sich auch die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Margarete Bause, der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, und der Grüne Freisinger Landtagsabgeordnete Christian Magerl. Er kritisierte, es gebe keinen Bedarf für eine dritte Startbahn am Flughafen München. "So viel Land haben wir nicht, dass wir es derart vergeuden können", sagte er. Der CSU warf Magerl vor, sie produziere "Heimatvertriebene".

Der 71-jährige Bert Alschinger fühlt sich bereits zum zweiten Mal vertrieben. "1946 aus dem Sudetenland, 2012 aus Attaching durch die Christlich Soziale Union", stand auf einem seinem Schild. Seit 65 Jahren wohne er nun in Attaching. "Wir haben uns eine Existenz aufgebaut und jetzt müssen wir wieder Weg", klagte Alschinger.

Das Ziel vieler Demonstrationsteilnehmer ist es nicht nur, den Bau der dritten Startbahn zu verhindern. Sie wollen die CSU bei der nächsten Landtagswahl auch abstrafen. Helga Stiegelmeier vom Aktionsbündnis kündigte der Staatsregierung an, man wolle "die Wut weitertragen" bis zu den kommenden Landtags- und Bundestagswahlen. Dann werde die Staatsregierung "die Quittung bekommen".

(DAPD/felt)
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