Thüringer Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow wirft Thomas Kemmerich Blumen vor die Füße

Wahl-Beben in Thüringen : Linke-Chefin wirft Wahlsieger Blumen vor die Füße

Die Thüringer Linke-Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow hat sich empört über die Ministerpräsidentenwahl gezeigt. Dem Wahlsieger warf sie die Blumen vor die Füße.

Was heute im Landtag passiert sei, sei „von langer Hand geplant“ gewesen, sagte sie im Erfurter Landtag. Mit einem Trick und Zockerei stelle die FDP nun den Regierungschef. Nun sei „ein Fünf-Prozent-Mensch“ Ministerpräsident, der sich mit den Stimmen einer extrem rechten Partei ins Amt habe wählen lassen. Sie schäme sich für Kemmerich.

Auf die Frage, wie die Linke mit dieser Regierung zusammenarbeiten wolle, sagte sie: „Die wird es nicht geben.“ Trotzdem werde ihre Partei weiterarbeiten, wenn auch noch nicht klar sei, wie. „Wir als Partei Die Linke werden nicht aufgeben, weil wir das Land nicht den Rechten überlassen werden.“ CDU und FDP hätten allerdings den demokratischen Konsens verlassen. Sie hoffe nur, dass sich die Bundesparteien kein Beispiel an ihren Landesverbänden nähmen. Zu Ramelows Gefühlslage sagte sie: „Er hat sich zurückgezogen.“ Man könne sich vorstellen, wie es ihm nun gehe.

Zuvor hatte sie sich bereits entsetzt über die Ausgangslage für den dritten Wahlgang bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen gezeigt. Diese sei „katastrophal“, hatte sie am Mittwochmittag im Landtag gesagt. Dass nun Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich und der von der AfD nominierte parteilose Christoph Kindervater antreten, könne auf eine große „Finte“ der AfD-Fraktion hinauslaufen. Diese könne nun geschlossen für den FDP-Kandidaten stimmen. Und so ist es offensichtlich auch gekommen.

Die Parteiführung der Linken hat die Wahl Kemmerichs derweil als "Dammbruch" kritisiert. Gemeinsam mit den Stimmen der AfD hätten CDU und FDP die Wiederwahl Bodo Ramelows zum Regierungschef verhindert, erklärte Parteichef Bernd Riexinger am Mittwoch in Berlin "FDP und CDU werden damit zum Steigbügelhalter der rechtsextremen AfD."

Was jetzt folgen werde, sei unklar, sagte Riexinger. "Der gewählte Kandidat hat weder eine Koalition noch ein Regierungsprogramm oder eine Regierung. Die Zeichen stehen auf Neuwahl." Der Linken-Chef sprach von einem "bitteren Tag für die Demokratie".

Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach in den Zeitungen des Redaktionnetzwerks Deutschland von einem "Dammbruch sondergleichen". Er forderte Kemmerich zum sofortigen Rücktritt auf. "Wer sich mit den Stimmen der Höcke-Partei zum Regierungschef wählen lässt, darf nicht lange Ministerpräsident bleiben", sagte der Linken-Politiker dem RND

(felt/dpa)