Terror in Berlin: Was Angela Merkel von Helmut Schmidt lernen könnte

Sprache in Zeiten des Terrors : Was Angela Merkel von Helmut Schmidt lernen könnte

Nach dem Terroranschlag in Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine eher distanzierte Sprache gewählt und damit Raum für Zweifel geschaffen. Hier muss sie dringend nachlegen. Helmut Schmidt hat einst gezeigt, wie es gehen könnte.

Ein Video findet in diesen Tagen große Resonanz im Internet: Wie Deutschlands Regierungschef wenige Stunden nach dem jüngsten Terroranschlag seinen "tiefen Zorn" ausdrückt, wie er ankündigt, dass der Staat "mit aller Härte" darauf reagieren wird und wie er die Arbeit der Polizisten herausstellt, die alle seine "persönliche Rückendeckung" hätten. So sprach Bundeskanzler Helmut Schmidt wenige Stunden nach der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und der Ermordung seiner Begleiter im Herbst 1977.

Anti-Schmidt-Wortwahl

39 Jahre später sieht Schmidts Nach-Nach-Nachfolgerin Angela Merkel zwar auch die Notwendigkeit, vor den Kameras Klartext zu reden. Sie tut es gleich drei Mal in einer Woche. Aber es ist im Gegensatz zu Schmidt eine eher distanzierte und offene Sprache. Da wünscht sie den Fahndern "gutes Gelingen", da lädt sie die Verantwortlichen ein, über den Stand und die Konsequenzen zu "beraten", und da kündigt sie an, dass die Tat "bestraft wird, so hart es unsere Gesetze verlangen". Das allein ist schon eine Art Anti-Schmidt-Wortwahl.

Aber für Merkel gehört nach dem Terroranschlag noch ein besonderes Bekenntnis dazu: "Eine einfache Antwort darauf habe ich auch nicht." Aber wollen die Menschen im Angesicht des Terrors wirklich einen ratlosen Verantwortlichen an der Spitze? Kann man sich vorstellen, dass Schmidt das auch gesagt hätte? Er hatte sich vorher mit seiner Frau entschieden und dies im Kanzleramt hinterlegt, dass er bei einer Entführung keinesfalls gegen inhaftierte Terroristen ausgetauscht werden will. Er hatte sich damit befasst, was im Fall der Fälle zu tun sein würde. Merkel erweckt einen anderen Eindruck. Sie verweist darauf, dass die Politik "in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen" habe, "um der terroristischen Gefahr besser begegnen zu können". Das sagt sie ausgerechnet in dem Augenblick, wo diese Anstrengungen erkennbar vergebens waren.

Kommunikativ bleiben Zweifel

Damit wird klar: Merkel mag Hoffnungsträgerin für bessere Absprachen in Europa sein, auch im Interesse der Terrorbekämpfung. Aber kommunikativ bleiben Zweifel. Hier muss sie dringend nachlegen. Besonders mit Blick auf das Jahr 2017, in dem es auch um die sich hochspielenden Extreme zwischen Rechtspopulisten und Islamisten geht, in dem es auch um wachsende Terrorgefahren geht.

Denn der IS weiß sehr genau, wie anfällig Stimmungen in Gesellschaften kurz vor Wahlen sind. Und er will keine Mehrheiten für gemäßigte und besonnene Kräfte. Selten war deshalb eine Neujahrsansprache der Kanzlerin so wichtig wie in Zeiten des Terrors. Dafür wird Merkel eine andere, bessere, überzeugendere Sprache finden müssen.

(may)