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Werden die Lehrkräfte angemessen bezahlt?: Studie: Lehrer waren oft schlechte Schüler

Werden die Lehrkräfte angemessen bezahlt? : Studie: Lehrer waren oft schlechte Schüler

Düsseldorf (RP). Die Gewerkschaften machen Druck. Für Freitag haben DGB und Deutscher Beamtenbund (DBB) zu einer Demonstration in Düsseldorf aufgerufen. Adressat ist Helmut Linssen (CDU). Der NRW-Finanzminister soll am Wochenende bei der nächsten Runde der Tarifverhandlungen für die Angestellten der Länder ein "vernünftiges Verhandlungsergebnis” durchsetzen. Die Gewerkschaften, die auf acht Prozent pochen, sagen, das Angebot der Länder laufe auf umgerechnet 2,1 Prozent hinaus.

Zu den Tarifbeschäftigten des Landes NRW zählen rund 30.000 Lehrer. Sie beklagen, dass sie gegenüber ihren verbeamteten Kollegen finanziell im Nachteil sind. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit”, fordert die DGB-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Doch wie auch immer der Tarifabschluss für die Angestellten ausfallen wird ­ die Schere bleibt. Denn das Ergebnis soll eins zu eins auf die Landesbeamten übertragen werden, hat NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers versichert.

Studie wirft schlechtes Licht auf Lehrer

Verdienen Lehrer insgesamt zu wenig? Eine Studie des Münchener Ifo-Instituts legt diesen Schluss indirekt nahe. Demnach sind es vor allem Schüler mit einem schlechten Zeugnis, die den Lehrberuf anstreben. Einzige Ausnahme: die Gymnasiallehrer. Sie hätten einen Abiturdurchschnitt, der so gut sei wie der anderer Universitätsabsolventen. Lehrer an Grundschulen und für die Sekundarstufe I hätten dagegen im Abitur deutlich schlechter abgeschnitten als die anderen Absolventen. Der Bildungsforscher Ludger Wößmann sagte dazu, für viele angehende Pädagogen sei das Lehrerstudium nur eine Notlösung, weil sie an den Zulassungshürden für andere Fächer gescheitert seien.

Der Grund könnte aber auch das Geld sein: Wer ein Ass in Physik ist, wird kaum in den Schuldienst gehen, wenn er in der freien Wirtschaft leicht das Doppelte verdienen kann. Um mehr qualifiziertes Personal für die seinerzeit bestehenden Mangelfächer (Mathematik, Physik) zu bekommen, hatte NRW vor Jahren auf "Seiteneinsteiger” gesetzt und für sie die Altersgrenze zur Verbeamtung von 35 auf 45 Jahre angehoben. Als das Land 2006 den Mangelfach-Erlass aufhob, standen zahlreiche Umsteiger im Regen: Aus der angestrebten Verbeamtung wurde nun doch nichts. Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass die Ausnahmen seinerzeit auf dem Gesetzes- und nicht bloß auf dem Erlassweg hätten in Kraft gesetzt werden müssen. Für die betroffenen Seiteneinsteiger, die nicht mehr verbeamtet wurden, ändere sich durch den Richterspruch aber nichts, betont das NRW-Schulministerium.

Finanzielle Angebote für Lehrer

In Düsseldorf ärgert man sich darüber, dass andere Länder den in NRW ausgebildeten Lehrernachwuchs mit finanziellen Angeboten weglocken. "Wir lehnen solche aggressive Werbung ab. Jedes Land sollte selbst die Lehrer ausbilden, die es selbst benötigt”, so Thomas Breuer, Sprecher des NRW-Schulministeriums. Allerdings wirbt NRW in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dies geschehe in Absprache mit diesem Ländern, heißt es. Dort würden mehr junge Leute ausgebildet, als später gebraucht würden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat angeregt, dass Firmen ihre besten Mitarbeiter für den Schulunterricht freistellen. So könnte ein Ingenieur zwei Stunden Physik pro Woche unterrichten. NRW geht bereits ähnliche Wege mit dem Projekt "Teach first”. Akademiker, die soeben ihr Studium abgeschlossen haben, sollen als Lehrer auf Zeit an den Schulen in sozialen Brennpunkten Unterricht erteilen. Hinter der Grundidee, die aus den USA stammt, steckt laut NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) ein Geben und Nehmen: Die Akademiker geben einen Teil ihrer guten Ausbildung weiter.

"Mitnehmen können sie unschätzbar wertvolle persönliche und soziale Erfahrungen.” 40 so genannte Fellows sollen zunächst an Haupt- und Gesamtschulen unterrichten. Sie bekommen 1700 Euro im Monat. Das Programm ist bereits angelaufen. Zu Monatsbeginn waren noch Plätze frei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Lehrerstreik in NRW