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Studie: Jeder dritte Jugendliche wird im Internet belästigt.

Studie zum Online-Verhalten : Jeder dritte Jugendliche wird im Internet belästigt

Pünktlich zum Weltkindertag an diesem Freitag präsentiert das Leibniz-Institut für Medienforschung eine Studie zu den Online-Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen. Viele gehen dort noch zu leichtsinnig mit Gefahren um.

Das Smartphone als ständiger Begleiter. Kinder und Jugendliche sind in Deutschland im Schnitt jeden Tag 2,4 Stunden online. Bei den 15- bis 17-Jährigen sind es sogar 3,4 Stunden. Rund zwei Drittel der Befragten nutzen dazu mehrmals täglich ihr Handy, nur 16 Prozent Computer oder Laptop. Das ist das Ergebnis der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie „Online-Erfahrungen von 9- bis 17-jährigen“ des Hamburger Hans-Bredow-Institus – Leibniz-Institut für Medienforschung.

Aber ist das nun Fluch oder Segen? Um das herauszufinden, fragten die Forscher die Heranwachsenden auch danach, wofür sie das Internet im vorangangenen Monat genutzt hatten. Die Antworten variierten zwar nach Alter und Geschlecht. Doch dominierte der Bereich der Unterhaltung. 87 Prozent der Kinder und Jugendlichen schauen im Internet Videos. Aber nur ein Drittel nutzt es, um nach Nachrichten zu suchen. Bei den 15- bis 17-Jährigen waren es immerhin über die Hälfte der Befragten. Für Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut ist das dennoch zu wenig. „Eltern und Lehrer sprechen diese Möglichkeiten zu selten an“, sagte sie.

Gefragt wurde auch nach den eigenen Online-Fähigkeiten. Die Kinder und Jugendlichen schätzten diese überwiegend positiv ein. Auch fast drei Viertel der Eltern attestierten ihren Kindern einen guten Umgang mit den im Internet lauernden Gefahren. Dennoch, auch das zeigt die Studie: Viele Jugendliche verhalten sich leichtsinnig.

Beispielsweise beim „Sexting“, dem Versenden von Textnachrichten, Bildern oder Videos mit sexuellem Inhalt. Rund ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen gaben an, im vergangenen Jahr sexuelle Nachrichten erhalten zu haben. Ein Fünftel hat sie selbst verschickt. Hiervon 42 Prozent so, dass andere sie im Internet sehen konnten. 30 Prozent der 12- bis 17-Jährigen wurde zudem online nach sexuellen Dingen gefragt, obwohl sie diese Fragen eigentlich nicht beantworten wollten.

Wenn Kinder und Jugendliche im Internet verstörende Nachrichten erhalten, ignorieren sie diese häufig oder blockieren einfach den Absender. Nur fünf Prozent der Betroffenen melden das Problem online. „Das Bewusstsein von Kindern und Eltern muss geschärft werden“, sagte Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut.

Immerhin neun Prozent der Befragten gaben an, online etwas Schlimmes erlebt zu haben, das sie belastet. Was das sein kann, hängt vom individuellen Empfinden der Betroffenen ab. Manche stoßen auf brutale Videos. Andere werden gemobbt oder belästigt. „Es wurden Bilder von mir ins Netz gestellt auf einer Party, wo ein Junge mit seiner Hand unter meinem Rock ist“, antwortete ein 15-jähriges Mädchen.

„Hochgerechnet betreffen solche Erfahrungen in Deutschland mehrere Hundertausend Kinder und Jugendliche“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Er forderte bessere Hilfsangebote für Kinder. Hasebrink sieht hierin auch eine Aufgabe für die Medienerziehung. „Das kommt mir in der Diskussion bislang zu kurz“, sagte er.