Studie für Greenpeace: So könnte Deutschland sein Klimaziel 2020 noch erreichen

Studie für Greenpeace : So könnte Deutschland sein Klimaziel 2020 noch erreichen

Umweltschützer sagen, dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 noch erreichen kann. Allerdings müssten dafür die Braunkohle-Kraftwerke gedrosselt und abgeschaltet werden. Die Stromversorgung werde trotzdem nicht gefährdet, schreiben Forscher in einer Studie.

Das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik schreibt in einer Studie, dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 noch erreichen kann. Durch Abschalten und Drosseln von Braunkohlekraftwerken ließe sich der Ausstoß von Treibhausgasen in den verbleibenden beiden Jahren noch auf die geplanten 40 Prozent des Niveaus von 1990 reduzieren, erklärte Wissenschaftler Norman Gerhardt am Donnerstag in Berlin. Das Institut hatte die Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace erstellt.

Die Bundesregierung hatte ursprünglich zugesagt, die deutschen CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Regierung hat das Ziel aber inzwischen aufgegeben. Laut dem Mitte Juni von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgelegten Klimaschutzbericht 2017 dürften die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 nur um etwa 32 Prozent unter dem Stand von 1990 liegen.

"Die Bundesregierung muss jetzt handeln", forderte Anike Peters von Greenpeace. Entgegen der Versprechen sei der Ausstoß von Treibhausgasen bislang nicht gesunken, sondern auf einem zu hohen Niveau geblieben. "Jede weitere Verzögerung im Klimaschutz kann gravierende Folgen haben." Dürre, Waldbrände und Starkregen hätten im Hitzesommer 2018 enorme Schäden verursacht.

Etwa ein Drittel der Braunkohlekraftwerksblöcke in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen solle abgeschaltet werden, verlangte die Greenpeace-Expertin. Es gehe vor allem um ältere Kraftwerke. Nach Einschätzung der Organisation wäre daher auch keine staatliche Entschädigung für die Betreiber fällig. "Der Einstieg in den Kohle-Ausstieg muss jetzt endlich starten", meinte Peters. Greenpeace fordert einen kompletten Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030.

Studien-Autor Gerhardt erläuterte, dass durch die Stilllegung und das Drosseln von Braunkohlekraftwerken im Umfang von rund 13,5 Gigawatt Leistung die Versorgungssicherheit nicht gefährdet sei. Auch die Strompreise würden nicht steigen.

Einen Teil der wegfallenden Kapazität würde der Analyse zufolge der weitere Ausbau von Wind-, Sonnen- und Wasserkraftwerken ausgleichen. Zudem würde Deutschland zunächst vom Stromexporteur zum -importeur. Dadurch könnte zwar auch mehr Atomstrom, vor allem aber mehr Energie aus klimafreundlicheren Gaskraftwerken importiert werden, erklärte Gerhardt.

Die Fraunhofer-Studie zeigt nun, wie das 40-Prozent-Ziel noch erreicht werden könnte. Technisch sei des Klimaziel 2020 "problemlos erreichbar", erklärte Co-Autor Norman Gerhardt. "Die versorgungssichere Lösung ist ein Dreiklang aus Abschaltung und Drosselung der ältesten Braunkohleblöcke sowie dem im Koalitionsvertrag beschlossenen Ausbau von Solar- und Windanlagen."

Die Studie führt 14 Braunkohleblöcke auf, die dazu bis 2020 stillgelegt werden müssten. Gemeinsam haben sie eine Leistung von 6,1 Gigawatt. Außerdem müssten die verbliebenen Braunkohlekraftwerke, die im Jahr 2020 ein Alter von mindestens 20 Jahren erreicht haben, gedrosselt werden. Parallel dazu müssten über die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen Windkraft- und Solaranlagen mit einer Leistung von neun Gigawatt gebaut werden.

(wer/kna/AFP)
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