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Studie: Demografischer Wandel schreitet zügiger voran

Jeder Zweite bis 2060 mindestens 51 Jahre alt : Studie: Demografischer Wandel schreitet zügiger voran

Ergreift Deutschland genügend Maßnahmen, um dem demografischen Wandel zu begegnen? Der Paritätische Gesamtverband jedenfalls fordert wegen der wachsenden Altersarmut eine Anhebung des Rentenniveaus. Und eine Studie sagt nun voraus, dass der demografische Wandel hierzulande viel schneller vonstatten geht als bislang angenommen.

Ende Oktober, zum Auftakt einer Veranstaltung zur Demografiestrategie der Bundesregierung, hatte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) den demografischen Wandel als die derzeit wichtigste gesellschaftliche Herausforderung bezeichnet. Nun müssten die richtigen Weichen gestellt werden. Aber können die Maßnahmen der Bundesregierung den Alterungsprozess unserer Gesellschaft überhaupt aufhalten? Nach einer noch unveröffentlichten Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Eckard Bomsdorf von der Universität Köln ist das nicht mehr möglich.

Für die Studie, aus der die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert, hat Bomsdorf auf der Basis der Volkszählung von 2011 und der Bevölkerungsstruktur von 2013 ausgerechnet, wie groß die deutsche Bevölkerung im Jahr 2060 sein würde. Demnach wird dann jeder zweite Deutsche mindestens 51 Jahre alt sein. Die Zahl der Erwerbstätigen werde von heute 50 auf 36 Millionen zurückgegangen sein. Zudem werde die Zahl der Menschen über 90 Jahre von heute 650.000 auf 3,3 Millionen steigen.

Das Problem mit den "Babyboomern"

Nach der Studie liege ein Grund für diese Entwicklung an der Generation der sogenannten Baby-Boomer. Das sind die Jahrgänge zwischen 1950 und 1970. Diese seien zwar geburtenstark gewesen, doch die in diesen Jahren geborenen Deutschen hätten selbst recht wenig Kinder bekommen. Wenn diese Generation — bis zum Jahr 2035 — in Rente gehe, dann werde die Zahl der Erwerbstätigen um fast acht Millionen sinken.

Bomsdorf warnt laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" daher auch vor einer Belastung des Rentensystems. Die Rente mit 67 sei unabdingbar, um das System lesitungsfähig zu erhalten. "Nur wenn sie konsequent durchgesetzt und nicht durch weitere Einsätze verwässert wird, kann das Rentenniveau trotz des demografischen Wandels relativ stabil bleiben, ohne dass die Beitragssätze allzu stark steigen müssen", zitiert die Zeitung den Wissenschaftler.

Auch qualifizierte Zuwanderung, so wie es auch in der DemograFiestrategie der Bundesregierung vorgesehen ist, hält Bomsdorf demnach für unerlässlich. Allerdings könne auch hohe Zuwanderung das demografische Problem nicht lösen, sondern nur die Geschwindigkeit der Entwicklung beeinflussen. Bomsdorf ist aber nicht der einzige, der Probleme auf das Rentensystem zukommen sieht.

Paritätischer Gesamtverband will Anhebung des Rentenniveaus

Denn der Paritätische Gesamtverband fordert aufgrund wachsender Altersarmut eine Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent des Durchschnitteinkommens. "Seit Jahren gilt die Strategie, den Beitragssatz auf jeden Fall stabil zu halten", sagte Geschäftsführer Ulrich Schneider der Nachrichtenagentur dpa und fügte hinzu: "Diese Strategie hat versagt."

Am heutigen Dienstag will die Deutsche Rentenversicherung bei einer Veranstaltung für die Medien in Würzburg einen Überblick über die Finanzlage der Rentenkasse geben.

"Im Moment laufen wir auf eine Lawine der Altersarmut zu", ist sich Schneider sicher, weil zunehmend Langzeitarbeitslose ins Rentenalter kämen. Zudem sinke das Rentenniveau bis 2030 politisch gewollt auf 43 Prozent. Die rot-grüne Regierung hatte 2002 mit der Festlegung, das Rentenniveau zu senken, das Verhältnis von immer weniger Beitragszahlern zu immer mehr Alten berücksichtigen wollen.

Für Schneider hat das aber fatale Folgen in Bezug auf die Altersarmut. "Zum Beispiel Erzieherinnen oder Pflegekräfte haben keine Chance, 2020 eine Rente zu bekommen, die über der Grundsicherung liegt", sagte er der dpa. Daher fordert er eine "Abkehr von der Politik der Beitragsstabilität hin zu einer Politik der Absicherung des Lebensstandards".

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(das)