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Streit um Begriffe nach der Tat von Bottrop

Sprache und Moral : Amok, Hetzjagd, Terror

Nach den Gewalttaten in Bottrop und Amberg wird einmal mehr über Begriffe gestritten. Das ist keine überflüssige Spielerei. Sprache spiegelt politische Interessen und prägt unsere Weltsicht.

Ein Mann steuert sein Auto in der Silvesternacht absichtlich in eine Gruppe von Menschen, die er als ausländisch wahrnimmt. Ist das ein Terroranschlag, ein Amoklauf, eine Attacke? Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus? Und was sollte man über die Opfer sagen – dass sie aus Afghanistan, Syrien, der Türkei kommen, dass sie Flüchtlinge sind, Migranten, Deutsche mit ausländischen Wurzeln?

Es ist schwieriger geworden, scheinbar eindeutige Ereignisse in Worte zu fassen. Denn Sprache spiegelt die Weltsicht von Menschen – und sie beeinflusst umgekehrt, wie wir die Wirklichkeit sehen. Sprache ist mächtig. Sie berührt und formuliert Interessen, gerade bei sensiblen Themen und gerade, weil sie oft unbemerkt wirkt. Etwa, wenn die Wertung in der Wortwahl liegt, im Bild, das sich einprägt, in der Emotion, die geschürt wird. „Die Art, wie wir über gesellschaftliche Prozesse reden, hat auch Einfluss darauf, welche gesellschaftlichen Konsequenzen wir ziehen“, sagt der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, „in kontroversen Zeiten wird Sprache darum besonders sichtbar.“ Es hilft also nichts: Über Sprache muss gelegentlich gesprochen werden. Und auch gestritten. Hier einige Versuche, die Bedeutung einiger umkämpfter Begriffe der vergangenen Tage zu umreißen:

  

Viele der genannten Begriffe sind nicht eindeutig definiert, gerade darum offenbaren sie politische Haltungen und provozieren Widerspruch. Objektive Sprache gibt es nicht. Darum ist Verständigung in einer Gesellschaft nur möglich, wenn um die Bedeutung von Begriffen gerungen wird. Respektvoll. Und selbstkritisch.