Streit um AOK: Gesundheitsminister wehren sich gegen Jens Spahn

Streit um AOK : Gesundheitsminister der Länder wehren sich gegen Spahn-Pläne

Jens Spahn erwägt, die regional organisierten Krankenkassen des AOK-Verbandes bundesweit zu öffnen. Vorteil für die Versicherten: Sie könnten sich preiswertere Kassen suchen. Die Gesundheitsminister der Länder laufen dagegen Sturm.

Die Gesundheitsminister der Länder wehren sich gegen Pläne der Bundesregierung, die bislang regional organisierten Krankenkassen des AOK-Verbandes bundesweit für Versicherte zu öffnen. „Wir sind der Auffassung, dass die Umsetzung eines derartigen Vorhabens letztendlich zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des AOK-Systems und im Ergebnis zu einer Schwächung des Kassenwettbewerbs führen würde“, heißt es in einem Brief der Landesminister an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der unserer Redaktion vorliegt. Unterschrieben haben ihn die Ressortchefs aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen.

Der AOK-Verband bildet bislang eine Besonderheit im Krankenkassensystem. Alle elf Kassen sind regional organisiert und nehmen auch nur regional Versicherte an. Eine bundesweite Öffnung hätte zur Folge, dass sich ein Versicherter aus dem Rheinland auch bei der AOK Sachsen-Anhalt anmelden könnte.

Dass es etliche Wechselwillige gibt, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Die AOK Rheinland/Hamburg fordert einen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Bei der AOK Sachsen-Anhalt sind es nur 0,3 Prozent. „Es steht zu befürchten, dass insbesondere junge Mitglieder mit gutem Deckungsbeitrag wechseln würden“, schreiben die Landesminister. Sie sehen nicht die Chance, dass die Unterschiede bei den Zusatzbeiträgen durch „strukturelle Änderungen der Kassenlandschaft“ behoben werden könnten.

Noch eines wurmt die Landesminister an Spahns Plänen: Während das Bundesversicherungsamt die Aufsicht über die Mehrzahl der Krankenkassen führt, sind für die AOKen die Landesregierungen, also die Landesgesundheitsminister, zuständig. Diese Kompetenz wollen sie nicht abgeben.

Die Pläne von Spahn sind noch nicht spruchreif. Sie hängen mit der geplanten Reform des Finanzausgleichs der Krankenkassen untereinander zusammen. Das System sorgt für Kompensation, wenn Kassen überdurchschnittlich viele ältere und kranke Menschen versichern.

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