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Straßburg führt zu neuen Fragen zur Anti-Terror-Architektur

Kommentar zur Bluttat von Straßburg : Neue Fragen an die Anti-Terror-Architektur

Die Trauer um die Opfer ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen geht es um Konsequenzen für Politik und Behörden.

Die Bluttat von Straßburg zeigt die Grenzen der Gefahrenabwehr. Auch noch so starke Beton- oder Stahlpoller können einen Weihnachtsmarkt nicht vor Terror schützen. Das gilt umso mehr für die Erkenntnis, dass selbst die Präsenz schussbereiter Sicherheitskräfte einen radikalisierten Einzeltäter nicht davon abhalten kann, das Feuer auf Weihnachtsmarktbesucher und Passanten zu eröffnen, um Terror zu verbreiten.

Der Anschlag zeigt aber auch auf, dass Politik und Behörden noch so einiges nachzuschärfen haben. Wie bei dem mutmaßlichen Haupttäter der Massenvergewaltigung in Freiburg hatten die Behörden auch den mutmaßlichen Haupttäter des Anschlages von Straßburg nicht nur allgemein auf dem Schirm, sondern sollten ihn in Haft nehmen. Weil auch dieses keine Einzelfälle sind, muss der Vollzug an dieser Stelle überprüft werden. Offensichtlich braucht es mehr Konsequenz, einen als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuften Beschuldigten auch zügig in Haft zu  nehmen, um die Bevölkerung besser zu schützen. An dieser Stelle stellt sich auch die Frage, ob die Behörden neue Instrumente brauchen, um sich für ablaufende Radikalisierungen von Gefährdern  intensiver zu sensibilisieren.

Zudem sind die Kommunikationsabläufe und grenzüberschreitenden Abstimmungen am Beispiel von Straßburg im Detail aufzuklären. Möglicherweise greift es immer noch viel zu kurz, dass die deutschen Behörden zur effizienten Terrorabwehr auf einen täglichen bundesweiten Austausch Dutzender Behörden setzen, weil der Terror schließlich nicht an den Grenzen der Bundesländer halt macht. Wenn einer mit ganz konkretem Gefährdungspotenzial für Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Luxemburg in einem der Länder zum Terroristen wird, dann muss das zu neuem Nachdenken über die europäische Architektur der Terrorabwehr führen.