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Wahlkampf: Stoibers Duelltaktik spaltet die Union

Wahlkampf : Stoibers Duelltaktik spaltet die Union

Düsseldorf (rpo). In der Union gibt es Streit über Edmund Stoibers Entscheidung, sich in einem "Print-Duell" mit Oskar Lafontaine auseinandersetzen zu wollen. Rückendeckung gab es vom früheren CDU-Generalsekretär Geißler. Dagegen kritisierte der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke, Lafontaine würde durch das Vorhaben unnötig aufgewertet.

Düsseldorf (rpo). In der Union gibt es Streit über Edmund Stoibers Entscheidung, sich in einem "Print-Duell" mit Oskar Lafontaine auseinandersetzen zu wollen. Rückendeckung gab es vom früheren CDU-Generalsekretär Geißler. Dagegen kritisierte der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke, Lafontaine würde durch das Vorhaben unnötig aufgewertet.

Stoiber hatte Lafontaine zu einem öffentlichen Streitgespräch aufgefordert. Als dieser eine Fernsehdiskussion zusagte, erklärte die CSU, sie wolle nur eine Debatte, die dann in der Zeitung abgedruckt werden solle.

Geißler sagte, er halte es für richtig, die direkte Auseinandersetzung mit der in Linkspartei umbenannten PDS zu suchen. Es gebe in der Demokratie keine Gesetzeslosen, die man durch Totschweigen aus dem Verkehr ziehen könne. "Man muss sich mit allen Argumenten auseinandersetzen", forderte Geißler. Ausgrenzung von Parteien habe noch nie funktioniert. Die Tatsache, dass die Linkspartei umbenannte PDS den vorhandenen Parteien nicht ins Konzept passe, sei kein Grund, die inhaltliche Auseinandersetzung zu verweigern. Er glaube im übrigen, dass Stoiber Lafontaine gewachsen sei, betonte Geißler.

"Lafontaine Inkarnation der linken Besitzstandswahrer"

Nooke warnte dagegen: "Mit dem Duell wird Oskar Lafontaine unnötig aufgewertet." Lafontaine sei die Inkarnation der linken Besitzstandswahrer im Westen, die viel eher für die Probleme Deutschlands verantwortlich seien als der Osten. Nooke forderte Stoiber und Lafontaine auf, sich in ihrem geplanten Streitgespräch nicht zu Ostdeutschland zu äußern. "Davon verstehen sie beide nichts", sagte er.

Stoibers Kritik an den "Frustrierten" im Osten bezeichnete Nooke als Ablenkungsmanöver des Westens. Westdeutsche Politiker wie Stoiber wollten sich nicht wirklich kritisch mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage des Ostens und den eigenen Fehlern beim Aufbau Ost auseinandersetzen. "Natürlich gibt es Frust im Osten, und der hat auch einen ganz realen Hintergrund", sagte Nooke. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei in vielen Regionen dramatisch und die Menschen spürten, dass die Rezepte des Westens bisher keine Besserung gebracht hätten.

Stoiber hatte bei einem Wahlkampfauftritt gesagt: "Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird." Es dürfe nicht sein, dass letztlich "die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen". Bei einer weiteren Rede betonte Stoiber zudem, in Bayern habe das Linksbündnis aus PDS und Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) überhaupt keine Chance und fügte hinzu: "Wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Zehn-Punkte-Plan von Oskar Lafontaine

(afp)