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Trotz zahlreicher Angebote: Stoiber genießt neue Freiräume

Trotz zahlreicher Angebote : Stoiber genießt neue Freiräume

München (RPO). Trotz zahlreicher Angebote will sich der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber Zeit lassen mit neuen Ämtern. Es gebe etliche Angebote aus der Wirtschaft, aber er habe noch keine Entscheidung getroffen. Zu seinem Rücktritt als Partei- und Regierungschef sagte Stoiber: "Ich kann loslassen. Wirklich."

"Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Mein Problem ist, dass der Freiraum sofort wieder weg wäre. Ich könnte morgen einen Vortrag in Bombay oder New York halten." Er könne jetzt Zeitung lesen, "ohne zu sagen: Da müssen wir sofort auf irgendwas reagieren", sagte Stoiber, der gerade in Südfrankreich im Urlaub war. Der Alltag als Spitzenpolitiker sei "eine unheimliche Mühle" gewesen , sagte der 66-Jährige dem "Münchner Merkur".

"Mir geht das nicht ab." Im Urlaub sei es sehr angenehm gewesen: "Kein Anruf um halb acht, keiner beim Mittagessen." Er wolle nun mit seinem neuen Laptop im Internet surfen, mehr klassische Musik hören und sogar einkaufen gehen: "Kann schon sein, dass ich jetzt mal zum Tengelmann mitgehe."

Am 19. November trifft Stoiber der Zeitung zufolge in Brüssel auf EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Beide wollen die neue EU-Initiative zum Bürokratieabbau vorstellen. Stoiber kündigte an, in München werde ein bayerischer Beamter als Kontaktmann zwischen Brüssel, Kanzleramt und Staatsregierung fungieren. Er selbst arbeite ehrenamtlich und wolle maximal alle zwei Wochen nach Brüssel fliegen.

Zudem will Stoiber künftig wieder zu den CSU-Gremiensitzungen kommen: "Ich bin jetzt in den ersten Wochen nicht in Präsidiumssitzungen und den CSU-Vorstand gegangen, weil es mir wichtig war, Abstand zu bekommen", sagte er. In den Sitzungen werde er sich "zurückhalten und als Ehrenvorsitzender mit Sicherheit nicht zur aktuellen Landespolitik Stellung nehmen". Helmut Schmidt und Helmut Kohl sind da für ihn Vorbilder, "die sich dosiert auch einmal kritisch zu übergeordneten Fragen einbringen, aber eben nicht zur Tagespolitik".

(ap)